Siebenbuergen I
.jpg)
Die Fahrt von Bukarest ueber die suedlichen Karpathen war eine deutliche Yaesur meiner Reise. Waehrend ich nur einen Tag zuvor in der Dobrudscha noch an tuerkischen Doerfern und Moscheen vorbeigefahren bin, hat mich die kurze Strecke von Bukarest nach Kronstadt(Brasov) landschaftlich und architektonisch fast die Heimat zuruekgefuehrt. Einen ersten Stopp machte ich in Rotbach (Rotbav) auf der Grabung von Laura und Olli Dietrich von der FU Berlin.
Im Rahmen von Lauras Doktorarbeit graben sie dort mit Studenten aus Bukarest eine bronzezeitliche Siedlung aus, in der sich Einfluesse der Noua- und der Wietenberg-Kultur mischen. Das Grabungshaus ist der Kindergarten von Rotbach, einer ehemals grossen saechsischen Siedlung, in der heute noch drei Sachsen leben. Immerhin gibt es fuer die spaerliche Gemeinde gelegentlich noch einen evangelischen Gottesdienst, den die rumaenischen Studenten am Tag vor meiner Ankunft mit grossem Interesse besucht haben. Wie schade, dass sie eine sterbende Kultur zu sehen bekamen.
MarienburgGanz in der Naehe von Rotbach liegt der Ort Marienburg im Burzenland (Feldioara), wo der Deutsche Ritterorden nach dem Rueckzug aus Palaestina zwischen 1211 und 1225 versuchte, einen Ordensstaat zu errichten. Dies scheiterte jedoch am Widerstand des ungarischen Koenigs. Der Orden zog nach Preussen und errichtete dort die heute wesentlich bekanntere, und sicher auch eindrucksvollere Marienburg. Es war dennoch ungemein spannend, nun endlich auch die Vorgaengerburg im Burzenland gesehen zu haben.
Kronstadt
Besonders schoen ist Kronstadt, in dem ich mich sogleich wie daheim fuehlte. Durch und durch mitteleuropaeisch, und dennoch mitten in Suedosteuropa ist Kronstadt eine Perle mit hunderten historischer Gebaeude, darunter die Schwarze Kirche, die groesste gotische Kirche oestlich von Wien. Auch hier ist die Gemeinde der Sachsen winzig, aber noch lebendig. Von einer netten aelteren Dame bekam ich viele Erklaerungen zur Kirche, zu Kronstadt im allgemeinen und ganz besonders zu dem Reformator Johannes Honterus.
Kronstadt - Schwarze Kirche
.jpg)
Deutsch-Weisskirchen (Viscra)
Das kleine Oertchen Deutsch-Weisskirchen erreicht man nur ueber Feldwege. Der Weg dorthin lohnt jedoch, da man ein wunderschoenes Dorf findet mit einer grossartigen Wehrkirche, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehoert. Auch hier wurde ich von einer netten alten Saechsin gefuerht, die mich auch auf die Wehrtuerme klettern liess. Zuweilen vermittelten die den Eindruck, dort sei nach dem letzten tuerkischen Durchzug keiner mehr oben gewesen, aber insgesamt war die Anlage ganz gut in Schuss - besser jedenfalls als vieles, was ich gestern und heute noch gesehen habe
Deutsch-Weisskirchen: innerer Mauerring der Wehrkirche
Deutsch-Weisskirchen: Innenraum der Kirche
Deutsch-Weisskirchen: Sicht aus dem Turm
SchaessburgBesonders schoen war auch das Staedtchen Schaessburg (Sighisoara) , das in einigen Reisefuehrern auch als rumaenisches Rothenburg bezeichnet wird. Was die Bausubstanz betrifft, stimmt das sicher, was den Touristenrummel betrifft, noch nicht ganz. Aber man ist auf dem besten Weg. Hilfreich ist sicher auch, das Dracula, also Vlad Tepes, hier zur Welt gekommen ist. Die Souvenirlaeden vermarkten das entsprechend. Im Stadtmuseum spielt einer anderer Sohn der Stadt eine groessere Rolle: der Raketenpionier Herrmann Oberth. Der macht sich auf Souvenirtassen aber weniger gut als Dracula. In mittelalterlicher Umgebung gab es auf dem Marktplatz der Oberstadt noch ein gutes Bier, bevor ich mich im Bus zum Schlafen legte und am Mittwoch morgens bei krassem Regen aufwachte. Der hat bis heute nicht aufgehoert. Die Hitze vom Juli und August braucht auf dieser Reise wohl doch noch ein Gegengewicht.