Kairo
Waqala al-GhuriDa ich immer noch Hoffnung habe, irgendwann ein "Tasrir", einen Ausweis für den freien Eintritt in Museen, Moscheen, Ruinenstätten etc., zu bekommen, treibe ich mich zur Zeit vor allem in Gegenden Kairos herum, die keinen Eintritt; denn so billig Ägypten eigentlich ist, so teuer ist der Eintritt für die Ruinen. So zahlt man für die Pyramiden etwa 10 Euro Eintritt, und wenn man eine von innen sehen will, muss man drauflegen. Im Ägyptischen Museum läuft das ähnlich, und an den meisten anderen Plätzen auch. Leider ist nicht sicher, ob ich so einen Pass bekommen. Das entscheidet sich am Mittwoch. Bis dahin bitte Daumendrücken :-)
Zur Zeit bin ich ohnehin nur die Hälfte der Zeit unterwegs, die andere Hälfte arbeite ich hier in der Bibliothek des DAI, um einige Dinge, die schon lange warten, fertigzumachen. Der heutige Sonntag war etwa so ein Arbeitstag, unterbrochen nur von einem Gang zum Handyladen, um eine Prepaid-Karte zu kaufen (Nummer siehe unten).
Wunderbar war dagegen der Samstag: Ein ganzer Tag in der Altstadt von Kairo, gemeinsam mit Ulrike Fauerbach, Referentin hier am DAI und Bauforscherin, sowie Constanze und Anne Holler, der Redaktions-Hiwi'in und ihrer Schwester, die witzigerweise aus Freiburg kommen. Mit dem Taxi ging es vom DAI bis zur Al-Azhar Moschee und Universität, die mitten im Zentrum des hochmittelalterlichen Kairo liegt.
Die Al-Azhar Moschee: geistiges Zentrum des sunnitischen Islam
Gewürzladen beim LebensmittelmarktVon da aus in kleinen Schritten durch den Khan al-Khalili, den engen, sehr lebhaften Bazar der Stadt, verschiedenen Karawansaraien (siehe Bild ganz oben), Moscheen, Medresen (Koranschulen), Hammams und Hospitälern bis zur Stadtmauer und wieder zurück. Der Radius, in dem wir uns bewegten, umfasst nicht viel mehr als einen Kilometer, aber es reichte für einen ganzen Tag. Ein Spaziergang in Kairos Altstadt ist nicht nur wegen der Monumente, sondern auch wegen des ganzen Drumherums eine Zeitreise in die Vergangenheit: Eselskarren, unterschiedlichste kleine Handwerkerstuben, Metzgereien, Fischläden, ungepflasterte, schlammige Strassen mit Müllhäufen an den Seiten, tote Katzen, Gestank, Geschrei und Duft nach Gewürzen und frischem Essen: Vollbeschäftigung für alle Sinne
Eine der Hauptstrassen in Kairos nördlicher Altstadt: Schlammpfützenspringen
Frische FelafelDas Highlight des späteren Nachmittags war die Besteigung des Minaretts der Barquq-Moschee, von dem man einen umwerfenden Blick auf Kairo hatte. Auf dem Bild hier sieht man vorne ganz links das Minarett der Hussein-Moschee, der schiitischen Hauptmoschee von Kairo, in der der Kopf von Hussein aufbewahrt wird, rechts davon die Al-Azhar Moschee, hinten auf dem Berg die Zitadelle mit der Alabaster-Moschee von Mohamed Ali, und rechts davon die Sultan Hassan-Moschee. Ganz vor ist das Minarett der Nasr-Moschee zu erkennen, die noch in einem weiteren Kapitel der "Johanniterreise" vorkommen wird. Könntet ihr den Blick jetzt nach rechts sehen, würdet ihr in der untergehenden Sonne die Pyramiden sehen....

Der Ausflug in die Altstadt war auch kulinarisch ein Erlebnis: wunderbare Felafel, frischgepresster Orangensaft, Tee im "Fishawy", einem wunderbaren Café mitten im Souk, und schliesslich eine ägyptische Spezialität, die ich bisher noch nicht kannte: Kushari
Kushari - sieht nicht nach haute cuisine aus, schmeckt aber klasseIn der Abenddämmerung ging es durch den Kleidermarkt zurück. Ich wäre ja fast in Versuchung geraten, mir für die hier doch sehr kalten Nächte eine garantiert echte Adidas-Trainingshose für 1,20 Euro zu kaufen. Vielleicht gehe ich da nochmal hin :-)
Unser Dreikönig ist übrigens für die ägyptischen Kopten das Weihnachtsfest. Daher ist hier in allen Kirchen Hochbetrieb. Ich war vor drei Tagen in Fustat (Alt-Kairo), also dem ältesten Teil der Stadt, der auf den Ruinen der diokletianischen Festung Babylon erbaut wurde (nicht identisch mit der mittelalterlichen Altstadt Al-Kahira). Anbei Bilder der berühmten koptischen "hängenden Kirche" Al-Moalaka

Al Moalakka im WeihnachtsschmuckIn Alt-Kairo ist man übrigens auch rasch an anderen Gestaden des Mittelmeeres: die Kirche des hl. Georgios, ebenfalls auf dem diokeltianischen Kastell direkt neben dem koptische Museum, ist Klein-Ellas. Ein letzter Rest levantinischer Internationalität.
