Archäologische Theorie und Agatha Christies Spuren...
Los geht es mit Eva und Dorothée Sack in Resafa. Frau Sack war unglaublich herzlich, hat sich viel Zeit für die Führung durch die Ruinenstadt genommen, in der der Heilige Sergios den Märtyrertod gefunden hat (daher Sergioupolis), und hat uns mit dem besten Essen verwöhnt, das ich bisher auf einer Grabung bekommen habe.
Der Euphrat in Dura Europos. Leider herrschte an diesem Tag ein starker Sandsturm, der das Euphrat-Erlebnis zumindest bildlich schmälerte. Beeindruckend war es trotzdem!
Blick vom Tell Barri in die Djezira. Eine wunderbare Frühingslandschaft, ein Tell am anderen und im Norden das Taurusgebirge. Hier ist die Türkei schon ganz nahe. Wenige Kilometer entfernt ist der Tell Brak, an dem Max Mallowan und Agatha Christie gearbeitet haben und in deren Nachfolge heute ein Team aus Cambridge, von dem wir nicht nur eine exzellente Führung über den Tell bekamen, sondern auch einen gemütlichen Tee samt Diskussion über die neuesten Trends der archäologischen Theorie in Cambridge. Schon mal was von "agency" gehört? Nein, dann mal ran ans Lesen, damit die englischen Trends in Deutschland nicht wieder 10 Jahre zu spät ankommen. Es soll ja immer noch Archäologen geben, die die New Archaeology tatasächlich für etwas neues halten.
Auf den Tip der Engländer hin machten wir uns dann aber schnell wieder auf den Weg und fuhren mit sehr freundlicher Hilfe der Polizei zu einem anderen von Mallowan und Christie ergrabenen Tell.
Am Tell Chagar Bazar, wo wir von einem belgisch-katalanischen Team ehrzlich empfangen und über die Grabung geführt wurden. Hier habe ich zum ersten Mal eine Probenentnahme für eine archäomagnetische Datierung eines Tannur-Ofens gesehen. Sehr spannend!
Aleppo - die bisher schönste orientalische Altstadt auf dieser Reise... Lange Spaziergänge durch die endlosen überdachten Souks (angeblich soll es über 12 km davon in Aleppo geben), Tee in verqualmten arabischen Cafés, eine Nacht im "Hotel de Charme" mitten in der Altstadt mit Frühstück auf dem Dach hoch über dem Souk zwischen Minaretten und unter Unmengen von Mauerseglern, die ein richtiges Sommergefühl verbreiteten. Das Abendessen im berühmten Beit Wakil, jenem Haus, aus dem das Aleppozimmer im Berliner Museum für Islamische Kunst stammt, wäre ein teurer Flop gewesen, hätte es dort nicht ein kleines 5-Mann-Orchester gegeben, die wunderbare klassische arabische Musik darbrachten.
Ein Höhepunkt war natürlich der Besuch auf der berühmten Zitadelle, auch wenn wir die aktuellen Ausgrabungen, bei denen Reliefs eines späthetithischen Tempels gefunden wurden, leider nicht sehen konnten. Dafür gelang aber die Exkursion in die Bar des Hotels Baron (hier mit Francis)...
... also jenem Archäologentreffpunkt, an dem sich schon Agathie Christie und Max Mallowan, T.E. Lawrence oder Atatürk an einem Drink erfreut hatten. Eine wirklich stimmungsvoller Platz, an dem man in abgewetzten Polstersesseln mit alten Rechnungen der Berühmtheiten an der Wand ein Bierchen zu französischen Chansons geniessen kann.
Schon einmal durch eine komplette spätantike Stadt gewandert? Serjilla wäre ein guter Beginn. Hier stehen tatsächlich noch ganze Häuser des 5. und 6. Jahrhunderts, an denen eigentlich nur das Dach fehlt, um wieder bewohnbar zu werden.
Einer der berühmten spätantiken Grabbauten mit Pyramidendach im idyllischen Brara.
und last but not least meine Reisegefährten Eva und Francis in einem Restaurant, in dem wir gegrillten Karpfen aus dem Orontes bekamen. Dazu Knoblauchöl, Zitrone und grünen Salat. Heute abend gehen wir zum Verprassen meiner letzten syrischen Pfund ins "Oriental", einem der berühmten Restaurants in der Damszener Altstadt, in dem wir schon mit Frau Bartel waren und nun seit über drei Wochen von den phantastischen Vorspeisen dort schwärmen, vor allem dem Thymian-Salat, der Crème Thoum (Knoblauchcreme) und den Makdous, gefüllten Minizucchini. Aber ich will nicht schon wieder einen Gastronomie-Bericht abliefern. Der kommt dann übernächste Woche aus den Staaten ;-)
Das vierköpfige Stipendiatenteam war nur eine kurze Episode der einjährigen Reise. Da Holgers Freundin Sarah aus Sanaa Mitte April nach Damaskus gekommen war, machten die beiden sich alleine auf den Weg durch Syrien, und wir zu dritt auf die Reise in den Nordosten. Diese Tour war derartig angefüllt mit Besichtigungshöhepunkten, dass es richtig schwerfällt, irgendwo mit dem Bericht zu beginnen. Also am besten mit der Route: Von Damaskus aus fuhren wir mit unserem gemieteten Mazda-Automatik in schicken grün-metallic über Homs und Hama nach Andarin, wo die Christliche Archäologin Christine Strube seit Jahren gräbt. Von dort ging es weiter nach Resafa, wo uns die Bauforscherin Dorothée Sack herzlich zwei Nächte beherbergte. Dann wurde es richtig orientalisch: Bei Raqqa trafen wir auf den Euphrat und folgten ihm flussabwärts bis 15 km vor die irakische Grenze nach Mari und anschliessend Dura Europos. Auf eine Übernachtung in Deir ez-Zor folgte eine Tell-Tour in der Djezira, also dem Land zwischen Euphrat und Tigris: Sheikh Hamed, Tell Brak, Tell Barri, Chagar Bazar, Tell Mozan, Tell Halaf... Dann kam Aleppo - Perle des Orients, die Toten Städte in den Kalksteinmassiven, das Simeonskloster, Ain Dara, Ebla, Apameia und Huarte. In Hama durften wir uns beim DAI-Team der Grabung in Shir sattesssen und bewunderten die bekannten Wasserschöpfräder am Orontes. Über die Grabung in Shir und den Christenort Maalula ging es dann vorgestern wieder zurück nach Damaskus. Heute gibt es noch einen Altstadtbummel und ein schönes Abendessen, morgen geht der Flieger.
Nun das ganze aber bebildet und kommentiert.
Los geht es mit Eva und Dorothée Sack in Resafa. Frau Sack war unglaublich herzlich, hat sich viel Zeit für die Führung durch die Ruinenstadt genommen, in der der Heilige Sergios den Märtyrertod gefunden hat (daher Sergioupolis), und hat uns mit dem besten Essen verwöhnt, das ich bisher auf einer Grabung bekommen habe.
Der Euphrat in Dura Europos. Leider herrschte an diesem Tag ein starker Sandsturm, der das Euphrat-Erlebnis zumindest bildlich schmälerte. Beeindruckend war es trotzdem!
Blick vom Tell Barri in die Djezira. Eine wunderbare Frühingslandschaft, ein Tell am anderen und im Norden das Taurusgebirge. Hier ist die Türkei schon ganz nahe. Wenige Kilometer entfernt ist der Tell Brak, an dem Max Mallowan und Agatha Christie gearbeitet haben und in deren Nachfolge heute ein Team aus Cambridge, von dem wir nicht nur eine exzellente Führung über den Tell bekamen, sondern auch einen gemütlichen Tee samt Diskussion über die neuesten Trends der archäologischen Theorie in Cambridge. Schon mal was von "agency" gehört? Nein, dann mal ran ans Lesen, damit die englischen Trends in Deutschland nicht wieder 10 Jahre zu spät ankommen. Es soll ja immer noch Archäologen geben, die die New Archaeology tatasächlich für etwas neues halten.Auf den Tip der Engländer hin machten wir uns dann aber schnell wieder auf den Weg und fuhren mit sehr freundlicher Hilfe der Polizei zu einem anderen von Mallowan und Christie ergrabenen Tell.
Am Tell Chagar Bazar, wo wir von einem belgisch-katalanischen Team ehrzlich empfangen und über die Grabung geführt wurden. Hier habe ich zum ersten Mal eine Probenentnahme für eine archäomagnetische Datierung eines Tannur-Ofens gesehen. Sehr spannend!
Aleppo - die bisher schönste orientalische Altstadt auf dieser Reise... Lange Spaziergänge durch die endlosen überdachten Souks (angeblich soll es über 12 km davon in Aleppo geben), Tee in verqualmten arabischen Cafés, eine Nacht im "Hotel de Charme" mitten in der Altstadt mit Frühstück auf dem Dach hoch über dem Souk zwischen Minaretten und unter Unmengen von Mauerseglern, die ein richtiges Sommergefühl verbreiteten. Das Abendessen im berühmten Beit Wakil, jenem Haus, aus dem das Aleppozimmer im Berliner Museum für Islamische Kunst stammt, wäre ein teurer Flop gewesen, hätte es dort nicht ein kleines 5-Mann-Orchester gegeben, die wunderbare klassische arabische Musik darbrachten.
Ein Höhepunkt war natürlich der Besuch auf der berühmten Zitadelle, auch wenn wir die aktuellen Ausgrabungen, bei denen Reliefs eines späthetithischen Tempels gefunden wurden, leider nicht sehen konnten. Dafür gelang aber die Exkursion in die Bar des Hotels Baron (hier mit Francis)...
... also jenem Archäologentreffpunkt, an dem sich schon Agathie Christie und Max Mallowan, T.E. Lawrence oder Atatürk an einem Drink erfreut hatten. Eine wirklich stimmungsvoller Platz, an dem man in abgewetzten Polstersesseln mit alten Rechnungen der Berühmtheiten an der Wand ein Bierchen zu französischen Chansons geniessen kann.
Schon einmal durch eine komplette spätantike Stadt gewandert? Serjilla wäre ein guter Beginn. Hier stehen tatsächlich noch ganze Häuser des 5. und 6. Jahrhunderts, an denen eigentlich nur das Dach fehlt, um wieder bewohnbar zu werden.
Einer der berühmten spätantiken Grabbauten mit Pyramidendach im idyllischen Brara.
und last but not least meine Reisegefährten Eva und Francis in einem Restaurant, in dem wir gegrillten Karpfen aus dem Orontes bekamen. Dazu Knoblauchöl, Zitrone und grünen Salat. Heute abend gehen wir zum Verprassen meiner letzten syrischen Pfund ins "Oriental", einem der berühmten Restaurants in der Damszener Altstadt, in dem wir schon mit Frau Bartel waren und nun seit über drei Wochen von den phantastischen Vorspeisen dort schwärmen, vor allem dem Thymian-Salat, der Crème Thoum (Knoblauchcreme) und den Makdous, gefüllten Minizucchini. Aber ich will nicht schon wieder einen Gastronomie-Bericht abliefern. Der kommt dann übernächste Woche aus den Staaten ;-)














