Freitag, April 27, 2007

Archäologische Theorie und Agatha Christies Spuren...

Das vierköpfige Stipendiatenteam war nur eine kurze Episode der einjährigen Reise. Da Holgers Freundin Sarah aus Sanaa Mitte April nach Damaskus gekommen war, machten die beiden sich alleine auf den Weg durch Syrien, und wir zu dritt auf die Reise in den Nordosten. Diese Tour war derartig angefüllt mit Besichtigungshöhepunkten, dass es richtig schwerfällt, irgendwo mit dem Bericht zu beginnen. Also am besten mit der Route: Von Damaskus aus fuhren wir mit unserem gemieteten Mazda-Automatik in schicken grün-metallic über Homs und Hama nach Andarin, wo die Christliche Archäologin Christine Strube seit Jahren gräbt. Von dort ging es weiter nach Resafa, wo uns die Bauforscherin Dorothée Sack herzlich zwei Nächte beherbergte. Dann wurde es richtig orientalisch: Bei Raqqa trafen wir auf den Euphrat und folgten ihm flussabwärts bis 15 km vor die irakische Grenze nach Mari und anschliessend Dura Europos. Auf eine Übernachtung in Deir ez-Zor folgte eine Tell-Tour in der Djezira, also dem Land zwischen Euphrat und Tigris: Sheikh Hamed, Tell Brak, Tell Barri, Chagar Bazar, Tell Mozan, Tell Halaf... Dann kam Aleppo - Perle des Orients, die Toten Städte in den Kalksteinmassiven, das Simeonskloster, Ain Dara, Ebla, Apameia und Huarte. In Hama durften wir uns beim DAI-Team der Grabung in Shir sattesssen und bewunderten die bekannten Wasserschöpfräder am Orontes. Über die Grabung in Shir und den Christenort Maalula ging es dann vorgestern wieder zurück nach Damaskus. Heute gibt es noch einen Altstadtbummel und ein schönes Abendessen, morgen geht der Flieger.

Nun das ganze aber bebildet und kommentiert.

Los geht es mit Eva und Dorothée Sack in Resafa. Frau Sack war unglaublich herzlich, hat sich viel Zeit für die Führung durch die Ruinenstadt genommen, in der der Heilige Sergios den Märtyrertod gefunden hat (daher Sergioupolis), und hat uns mit dem besten Essen verwöhnt, das ich bisher auf einer Grabung bekommen habe.

Der Euphrat in Dura Europos. Leider herrschte an diesem Tag ein starker Sandsturm, der das Euphrat-Erlebnis zumindest bildlich schmälerte. Beeindruckend war es trotzdem!

Blick vom Tell Barri in die Djezira. Eine wunderbare Frühingslandschaft, ein Tell am anderen und im Norden das Taurusgebirge. Hier ist die Türkei schon ganz nahe. Wenige Kilometer entfernt ist der Tell Brak, an dem Max Mallowan und Agatha Christie gearbeitet haben und in deren Nachfolge heute ein Team aus Cambridge, von dem wir nicht nur eine exzellente Führung über den Tell bekamen, sondern auch einen gemütlichen Tee samt Diskussion über die neuesten Trends der archäologischen Theorie in Cambridge. Schon mal was von "agency" gehört? Nein, dann mal ran ans Lesen, damit die englischen Trends in Deutschland nicht wieder 10 Jahre zu spät ankommen. Es soll ja immer noch Archäologen geben, die die New Archaeology tatasächlich für etwas neues halten.

Auf den Tip der Engländer hin machten wir uns dann aber schnell wieder auf den Weg und fuhren mit sehr freundlicher Hilfe der Polizei zu einem anderen von Mallowan und Christie ergrabenen Tell.

Am Tell Chagar Bazar, wo wir von einem belgisch-katalanischen Team ehrzlich empfangen und über die Grabung geführt wurden. Hier habe ich zum ersten Mal eine Probenentnahme für eine archäomagnetische Datierung eines Tannur-Ofens gesehen. Sehr spannend!

Aleppo - die bisher schönste orientalische Altstadt auf dieser Reise... Lange Spaziergänge durch die endlosen überdachten Souks (angeblich soll es über 12 km davon in Aleppo geben), Tee in verqualmten arabischen Cafés, eine Nacht im "Hotel de Charme" mitten in der Altstadt mit Frühstück auf dem Dach hoch über dem Souk zwischen Minaretten und unter Unmengen von Mauerseglern, die ein richtiges Sommergefühl verbreiteten. Das Abendessen im berühmten Beit Wakil, jenem Haus, aus dem das Aleppozimmer im Berliner Museum für Islamische Kunst stammt, wäre ein teurer Flop gewesen, hätte es dort nicht ein kleines 5-Mann-Orchester gegeben, die wunderbare klassische arabische Musik darbrachten.

Ein Höhepunkt war natürlich der Besuch auf der berühmten Zitadelle, auch wenn wir die aktuellen Ausgrabungen, bei denen Reliefs eines späthetithischen Tempels gefunden wurden, leider nicht sehen konnten. Dafür gelang aber die Exkursion in die Bar des Hotels Baron (hier mit Francis)...

... also jenem Archäologentreffpunkt, an dem sich schon Agathie Christie und Max Mallowan, T.E. Lawrence oder Atatürk an einem Drink erfreut hatten. Eine wirklich stimmungsvoller Platz, an dem man in abgewetzten Polstersesseln mit alten Rechnungen der Berühmtheiten an der Wand ein Bierchen zu französischen Chansons geniessen kann.

Schon einmal durch eine komplette spätantike Stadt gewandert? Serjilla wäre ein guter Beginn. Hier stehen tatsächlich noch ganze Häuser des 5. und 6. Jahrhunderts, an denen eigentlich nur das Dach fehlt, um wieder bewohnbar zu werden.

Einer der berühmten spätantiken Grabbauten mit Pyramidendach im idyllischen Brara.

und last but not least meine Reisegefährten Eva und Francis in einem Restaurant, in dem wir gegrillten Karpfen aus dem Orontes bekamen. Dazu Knoblauchöl, Zitrone und grünen Salat. Heute abend gehen wir zum Verprassen meiner letzten syrischen Pfund ins "Oriental", einem der berühmten Restaurants in der Damszener Altstadt, in dem wir schon mit Frau Bartel waren und nun seit über drei Wochen von den phantastischen Vorspeisen dort schwärmen, vor allem dem Thymian-Salat, der Crème Thoum (Knoblauchcreme) und den Makdous, gefüllten Minizucchini. Aber ich will nicht schon wieder einen Gastronomie-Bericht abliefern. Der kommt dann übernächste Woche aus den Staaten ;-)

Sonntag, April 15, 2007

Präkeramisches Neolithikum, Indiana Jones und der Ritt auf dem Kamel

Es ist nun doch schon wieder ein paar Tage her, aber dennoch will ich Euch unsere Südjordanien-Erlebnisse, zumindest die wichtigsten, nicht voretnhalten. Die letzten Tage sass ich hier in Damaskus von morgens bis abends am Computer. Altlasten.... Aber immerhin habe ich dem Verlag jetzt grünes Licht für den Druck der Diss geben können. Das ist ein gutes Gefühl, vor allem auch deswegen, weil es morgen wieder auf Tour geht: 2 Wochen quer durch Ost- und Nordsyrien.

Wer nach meinem letzten Blogeintrag noch immer Appetit hat, dem sei Francis' lesenswerter Bericht bei "Abenteuer"-Archäologie empfohlen.

Wahnsinn, gerade fällt hier im Liveticker in Köln ein Tor nach dem anderen für den SC. Ist ja unglaublich....

Nun aber zum Erlebten: Das Highlight beim zweiten Jordanien-Aufenthalt war der Besuch auf der Grabung von Hans-Georg Gebel in Ba'ja, nahe Petra. Es handelt sich um eine Siedlung aus dem mittleren PPNB, also dem 9. Jahrtausend vor Christus. Um die Siedlung zu erreichen, muss man eine steile Schlucht hinaufkraxeln, ueber mehrere Leitern und Felsen klettern, und wird dann mit prächtigen Befunden belohnt: Mauern, die bis zu 4 m hoch anstehen. Wer mehr über Ba'ja wissen will, dem sei die aktuelle Ausstellung im Freiburger Colombischlössle ans Herz gelegt.

Ba'ja

Petra war natürlich auch ein ganz grosser Höhepunkt. Zwei Tage hatten wir Zeit, um die riesige Stadt zu erkunden. Viel zu wenig, aber ein guter Eindruck ist geblieben. Auf den eigentlich obligatorischen Ritt durch den Sik und das anschliessende Auffinden des heiligen Grals haben wir verzichtet. Geritten sind wir später (siehe unten) und haben in Petra dennoch den berühmten Blick genossen:

Ja, ja, das Reiten... Das Wadi Ramm wollten wir es auf original-ökologischem Weg erkunden und uns nicht für viel Geld in einen der Durchrasenden Jeeps setzen. Also mieten wir gespannt vier Kamale. Eigentlich wolten wir die sechs-Stunden-Tour buchen, da der Tag aber schon fortgeschritten war, enschieden wir uns für die zwei-Stunden-Variante. Gottseidank!

Zuerst fuehlten wir uns im Sandsturm zwar wie T.E. Lawrence persönlich. Dank der unglaublichen Geschwindigkeit, die unsere Kamele wegen der Fitness der Führer anschlugen, und der Tatsache, dass so ein Kamelbauch doch ziemlich breit ist, man sich also einer beständigen Dehnübung unterzieht, waren wir doch alle ganz froh, als es wieder vorbei war. Schön war es dennoch. Das Wadi Ramm ist wirklich auch bei Sandsturm ein ganz aussergewöhnlicher Ort.

Im Wadi Ramm...

Dienstag, April 10, 2007

Kulinarisches Jordanien

Jordanien ist wegen vieler Dinge eine Reise wert, nicht aber, wenn die Liebe zu besonderer Küche der Hauptgrund der Reise ist. Den kulinarischen Aspekt unserer Jordanien-Reise könnte man als "Arabian-Standard" beschreiben: Gegrilltes und Fritiertes, das aber in deutlich geringerer Variationsbreite als im Jemen. Dennoch aber haben wir Bemerkenswertes gesehen, so beispielsweise in Aqaba am Roten Meer das erste Riesenrad fuer Hühnchen: Pro Gondel 10 Personen, macht 60 glueckliche Hühner auf einem Rad...

Verziert mit den üblicherweise zu kurz fritierten Pommes wird daraus eine Delikatesse....

Appetit?
Wieviele arme Viecher auf unserem arabischen Reiseteil schon Riesenrad oder Drehspiess fahren durften, um uns satt zu machen, wollen wir lieber nicht zählen. Dreistellig dürfte die Zahl ganz locker sein. Ganz anderer Art war dagegen das festliche Abendessen, das wir bei Hans Georg Gebel im Haus der Ba'ja-Grabung (kommt im nächsten Bericht) geniessen durften: Ein Kamel-Mansaf! Kamel liegt geschmacklich ungefähr in der Mitte zwischen Rindfleisch und Lamm und wird pro Lebensjahr des Tieres je eine Stunde gekocht. Unser Exemplar musste zwei Stunden kochen. Heraus kam etwas ganz köstliches. Zartes Fleisch auf einem grossen Reisbett mit einer Sauce aus Schafsmilch und gerösteten Pinienkernen. Ein echtes Erlebnis!

Kamel-Mansaf
Seit gestern sind wir nun wieder zurück in Syrien, wo wir schon mehrfach zu moderaten Preisen ganz hervorrangend gespeist haben. Die syrisch-libanesische Kochkunst ist jedoch in eigenes Kapitel wert. Werde heute abend mal meine Kamera mitnehmen.

Dienstag, April 03, 2007

Wieder Jordanien....

Von heute bis Ostermontag werden wir wieder in Jordanien unterwegs sein. Petra, Ba'ja, Wadi Feinan, Wadi Rum etc. Bin von mittag ab wieder unter der jordanischen Telefonnnummer erreichbar (die wesentlich besser funktioniert als die syrische) .
Eine Teevergiftung in Ugarit

Ugarit

Die letzten Tage waren gefuellt mit einer mehrtaegigen Tour an die Mittelmeerkueste: Amrit, Tartus, Qala'at Marqab (siehe unten), Latakiya, Ugarit und die Saladinsburg.

Kurioses in Latakiya: Nachdem wir in einem Strassenkaffee morgens einen Fruehstueckstee getrunken hatte, wurde uns allen exakt fuenf Minuten spaeter im Auto unglaublich schlecht. Uebelkeit, Schwindel - ein elendes Gefuehl. Gluecklicherweise hatte Holger, der am Steuer sass, Kaffee getrunken. So war die Besichtigungsfreude in Ugarit erstmal getruebt. Was das wohl war? Wir tippen auf Herbizide im Teebeutel....

Ugarit war trotzdem grossartig. Dank Francis konnte dort die Bronzezeit wieder zum Leben erwachen. Ein sehr eindrucksvoller Ort, an dem uebrigens die aeltesten Nachweise unseres Alphabetes gefunden wurde. Tortosa - Tartus mit seiner Templerfestung und der wunderschoenen fruehgotischen Kathedrale Notre-Dame, Amrit mit einem perserzeitlichen Tempel und phoenizischen Grabanlagen und schliesslich Qala'at Salah ed-Din, die Saladinsburg, die eigentlich vor allem eine byzantinische und fraenkische Festung ist. Hingekommen sind wir nur mit der freundlichen Hilfe der Stasi, die uns in einem alten Peugeot erst lange verfolgten und dann beim x-ten Umkehren fragten, wo wir denn hinwollten. Man koenne uns ja vorausfahren. Freundliche Leute, gluecklicherweise! Alleine haetten wir das wegen lauter gesperrter Strassen nie gefunden.

Tempel in Amrit


Saladinsburg

Oben in der Mitte der Bergfried, unten ein Bild des maechtigen Halsgrabens mit der stehengelassenen Nadel fuer die Bruecke zum Tor. Maechtig war in dieser Burg aber alles: die Lage, der riesige Bergfried, die kaum weniger grossen Tuerme an den Flanken. Hinzu kommt, dass die Burg mitten in einem Nadelwald oberhalb einer tiefen Schlucht liegt. Da muss selbst der Johanniter zugeben, dass auch andere praechtige Burgeb bauen konnten :-)

Johanniterreise (VIII): Qala'at Marqab

Die Johanniterburg Marqab hinterlaesst einen ganz anderen Eindruck als der Crac: kaum restauriert, kaum Touristen, aus schwarzem, duesterem Basalt erbaut, aber mindestens genauso eindrucksvoll. Auch hier sind riesige Hallen erhalten, durch die man wandern kann, ein maechtiger Bergfried, der noch auf den alten Treppen zu besteigen ist und eine Burgkapelle, in der sogar noch johanniterzeitliche Wandmalereienzu sehen sind. Marqab liegt anders als ich bisher dachte am Meer, und hatte frueher sicher auch einen eigenen Hafen. Der Blick auf das Meer wird heute durch riesige Schlote einer Fabrik getruebt, was aber die Eindruck nur wenig schmaelert. Marqab ist unbedingt einen Besuch wert! Davon waren schliesslich auch meine Reisegefaehrten ueberzeugt, deren Begeisterung fuer Johanniterburgen nicht ganz so stark ausgepraegt ist wie bei mir :-)