Sonntag, März 30, 2008
Montag, März 24, 2008
Culinaria Berolina


Mal wat Neues? Dann empfiehlt der Kenner das Restaurant "Müggelturm". Ein echter Geheimtip in Berlin. Das Haus macht von außen nicht den Eindruck eines gastronomischen Unternehmens. Und doch hat der Wirt über Jahre hinweg alles unternommen, um hier beste Voraussetzungen für hervorragende Gastlichkeit zu schaffen. Außen zeigt das Haus einen Touch Ruinenromantik, die Inneneinrichtung des Restaurants erzeugt leicht museale Feiertagsstimmung mit Nostalgiewert. Nur der moderne Eisschrank neben dem Eingang deutet darauf hin, dass hier nicht nur Dekoration, sondern auch Inhalte gepflegt werden.
Der "Müggeltum" ist ein Familienbetrieb mit reibungslos funktionierender Arbeitsteilung. Der ehemalige Innenarchitekt Erich Gonecker, dem fehlende professionelle Ausbildung in keinem Detail anzumerken ist, steht am Herd, den Service teilen sich Mutter und Sohn auf sehr umgängliche und hilfsbereite Art und kredenzen hochwertige, gut abgestimmte Biere. Die meisten der zuverlässig frischen Produkte mit intensivem Eigengeschmack stammen aus dem eigenen Garten, aus dem nahen Berlin und von Aldi. Die Leistungen der Küche sind ungewöhnlich konstant, Zufälligkeiten und spontane Eingebungen nicht erkennbar.
Ganz köstlich die sanfte Senf-Sauce zur Boulette von gemischtem Hack, fein und frisch die Pommes von der brandenburgischen Kartoffel, behutsam mit einer Prise Fleur de sel bestreut, gekrönt vom Inhalt einer Packung Ketchup. Auch das Pils mit zartsäuerlichem Schaum war ein Vergnügen. Auf optimales Fritieren in nicht zu jungem Fett versteht sich Gonecker ebenso wie auf das Zapfen des idealen Pils. "Müggelturm" - nicht nur ein kulinarischer, sondern auch ein kultureller Höhepunkt. Superlative des Trash kombiniert mit hohem Fokuhila-Faktor und wunderbarer Aussicht über Brandenburg und Berlin. Und das Weizen gibt's für 2,50 Euro sogar aus einem echten Glas - ein Muss also für jeden Liebhaber brandenburgischer Gastlichkeit.
Incontri a Roma
Drei Tage Rom in der semana santa, das sind drei Tage Gedrängel, Geschubse und Suche nach Nahrung zu nicht-überteuerten Pilgerpreisen. Dennoch war es schön; hab' vieles gesehen, unter anderem auch das neu eröffnete Haus des Augustus auf dem Palatin.
Natürlich war auch im Zentrum der Katholizität, wo mir jene Statue ins Auge sprang. Dan Brown-Fans hätten ihre Freude. Man sieht schon den Frankenstein-Mönch um die Ecke kommen...
Und ein ähnliches Wesen kam dann tatsächlich, als ich ganz harmlos Richtung Piazza Venezia marschierte, plötzlich neben mir auf dem Gehsteig...
Am Karfreitag war leider schlechtes Wetter. Das war aber gar nicht so schlimm, da es ja genügend Gottesdienste und Andachten gab, bei denen man trockenen Fusses die heilige Stadt erleben konnte. Mein Andachts-Kirchen-Marathon führte mich u.a. in die evang. Christuskriche, nach S. Stefano Rotondo, S. Cosmas e Damiano, S. Clemente, S. Giovanni in Laterano, S. Prassede, S. Maria Maggiore, und dann nach Ciampino zum Flughafen. Bei Giorni...
Samstag, März 22, 2008
Wo bin ich? Heitere Ratespiele beim Aufwachen



Schon aufstehen? Nee, es ist grad so schön im Bett. Reise nach Jerusalem. Wo fliege ich raus, oder hin? Je ne sais pas. Es herrscht grosse Verwirrung. Gestern Durchsage des Flugkapitäns, wir seien gerade über Innsbruck. Eine Nacht schlafen, morgens auf den Markt und tatsächlich...
... Innsbruck? Nein, kann nicht sein. Ein "Bauernstandl" für die hauptstädtischen Piefkes am Hackeschen Markt. Nochmal umdrehen, entspannen. Ciampino, Schönefeld, Stephansdom. Ach ja, Wien. Wie viel gestern? Wie üblich wahrscheinlich. Also nochmal umdrehen, Kopfkissen übern Kopf. Wo wir doch alle wissen: Bier auf Wein usw. Und dann war da ja noch was.
Der Süden. Pinien. Sonne. Pasta. Die ewige Stadt, in der semana santa. Pilgerscharen wohin man schaut. Gründonnerstag beim Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum in San Ignazio, Karfreitag in der Via Sicilia bei den Lutheranern. Und sonst noch so einiges. Nett - aber lieber nochmal umdrehen...
... aber ich sollte aufstehen. Wo? In Berlin? Achja, stimmt, Berlin. Richtig, hier bin ich gestern gelandet. Regen, kalt, trist. Deswegen geht's heute abend in eine türk lokantası. Ich dreh' mich nochmal um. Wie schön, in Istanbul zu sein.
Sonntag, März 16, 2008
Palmsonntag in Jerusalem





Vor genau einem Jahr, am 16.03.2007, war es endlich soweit: nachdem wir von Jordanien aus schon mehrere Tage lang die Türme von der heiligen Stadt gesehen hatten, machten wir uns um 07:00 morgens vom DEI Amman aus auf den kurzen Weg auf die andere Seite des Jordantales. Unproblematischer Grenzübergang an der Allenby-Bridge und dann endlich: Jerusalem! Einquartierung im schönen DEI im Gelände des Auguste-Victoria-Hospitals auf dem Ölberg und dann gleich zu Fuß in die Altstadt, wo uns die Glocken der Erlöserkirche begrüssten...
Anbei ein paar Erinnerungen an diesen bewegenden Besuch, zweifellos einer der Höhepunkte der Stipendiatenreise, über den ich von Damaskus aus auf der Reise selbst aus politischen Gründen nur eingeschränkt berichten konnte.

Die Porta Aurea, das goldene Tor zum Tempelberg, durch das Jesus am Palmsonntag in die Stadt eingezogen ist

Kerzen in der Grabeskirche nach unserem Besuch des Frühgottesdienstes der Franziskaner

Der Felsendom auf dem Tempelberg

Das Hospiz des Johanniterordens an der Via Dolorosa

Die ehemalige Ordenskirche S. Johannes Baptista der Johanniter, heute die Kirche eines griech.-orth. Frauenklosters
Impressionen aus dem Johanniterviertel Muristan mit Glocken der Erlöserkirche und Muezzin
Für die Nostalgie: Naomi Shemers Yerushalayim shel zahav
Für die Nostalgie: Naomi Shemers Yerushalayim shel zahav
Samstag, März 15, 2008
Bräunerhoffenster, Bernhardfoto & Heldenplatz

(...)
Nach meinem Bucheinkauf auf der Mariahilferstrasse und anschliessender "Heldenplatz"-Lektüre passend zum 12. März hier das nette Bild von Thomas Bernhard im schönen Bräunerhof samt kleinem Auszug aus dem 3. Akt des Heldenplatzes:
(...)
PROFESSOR ROBERT
Das kann ruhig schon morgen mitgeteilt werden
das stört ja jetzt niemanden mehr
schließlich ist ja jetzt wirklich alles vorbei
Herta, die bis jetzt hinter dem Professor Robert
stehengeblieben war, geht hinaus
Langsam anschwellender Aufschrei der Massen bei Hitlers
Ankunft auf dem Heldenplatz neuzehnhundertachtund-
dreißig, der nur von Frau Professor Schuster gehört wird.
PROFESSOR ROBERT
Der Tod ist das Natürlichste
auf der Welt
nicht wahr Kollege Liebig
und zu Frau Professor Schuster, die plötzlich steif geworden
im Sessel sitzt und aufgehört hat, Suppe zu essen
In Neuhaus wird dir die Frau Zittel
ihre berühmten kalten Umschläge machen
(...)
Alle bis auf Frau Professor Schuster löffeln ihre Suppe
ruhig weiter
(...)
Das Geschrei der Masse vom Heldenplatz schwillt mehr
und mehr an
PROFESSOR ROBERT
In Oxford war ein ganz anderes Klima
als in Cambridge
in Oxford war es immer sehr ungünstig
(...)
PROFESSOR ROBERT
Lebenslängliche Anstrengung
und immer alles in die höchsten Höhen hinaufgeschraubt
und totale Zwecklosigkeit am Ende
(...)
Das Geschrei vom Heldenplatz schwillt auch bei geschlossenen
Jalousien mehr und mehr an und hört nicht mehr auf
Ich selbst bin ja wenn ich ehrlich bin
nur der Musik zuliebe nach Österreich zurückgekommen
(...)
Die Frau Professor Schuster richtet sich noch höher auf
und bleibt so starr sitzen
(...)
PROFESSOR LIEBIG
Wer Visionen hat
braucht einen Arzt
hat der Bundeskanzler gesagt
PROFESSOR ROBERT
Ja eine Ungeheuerlichkeit
als Dummheit
Das hat er nicht mehr ausgehalten
unser unglücklicher Bruder
(...)
Frau Zittel geht mit Herta zum Tisch und gibt dem
Professor Robert, dem Professor Liebig und seiner Frau
und dem Herrn Landauer Suppe nach
PROFESSOR ROBERT während das Massengeschrei vom
Heldenplatz herauf bis an die Grenze des Erträglichen
anschwillt, laut
Das Ganze war ja eine absurde Idee
nach Wien zurückzugehen
noch lauter
Aber die Welt besteht ja nur aus absurden Ideen
Die Frau Professor Schuster fällt mit dem Gesicht voraus
auf die Tischplatte
Alle reagieren erschrocken
Ende
Dienstag, März 04, 2008
Time Machine I
Damaskus, 25.03.2006, Cinéma Zahra, 19:00 Uhr, "Sommer vorm Balkon" dt. mit arab. UT und ohrwurmproduzierender Musik. Hier das Original. Grossartig.
Montag, März 03, 2008
Dementi...

Thomas Freller, Adelige auf Tour. Die Erfindung der Bildungsreise (Sigmaringen 2007): "Versklavt in den Gefängnissen nordafrikanischer Beys, als Freiwilliger auf christlichen Korsarenschiffen türkische Handelssegler jagend, die faszinierenden Metropolen des Orients – Istanbul, Damaskus, Kairo oder Smyrna – durchstreifend oder die Flagge Brandenburgs an der westafrikanischen Goldküste hissend. Überall, wo Abenteuer und Exotik zu vermuten war, zog es Mitglieder deutscher Adelsgeschlechter hin, um sich in entfernten und exotischen Ländern einen Namen zu machen". - Hiermit dementiere ich öffentlich: Nein, ich bin weder auf das Reisestipendium gefahren, um auf einer Johannitergaleere türkische Schiffe zu jagen, noch, um an der westafrikanischen Goldküste die badische Flagge zu hissen. Wirklich nicht.
Samstag, März 01, 2008
Johanniterreise (XIV): Budapest

Auch auf dem Budapester Burgberg weht unübersehbar das achtspitzige Kreuz, in diesem Fall an der Botschaft des Souveränen Malteserordens. Über die Geschichte der Kommende konnte ich vor Ort leider nicht viel in Erfahrung bringen; arbeite noch dran. Die ungarischen Malteser haben sich nach der Wende jedenfalls prächtig entwickelt und sind im Stadtbild auch durch Fahrzeuge deutlich sichtbar. Über die Johanniter kann ich, ähnlich wie in Rumänien, leider gleiches nicht berichten. Aber diese feine Differenzierung ist vielleicht gar nicht angebracht.
