Mittwoch, Juni 27, 2007

Van

Pausetage in Van. Aber alles halb so schlimm. Francis ist mit Gips sogar schon auf dıe Festung von Alt-Van hinaufgeklettert. Blöder als das kaputte Auto und gedehnte Baender sind Kleinigkeiten, wie jene, dass man hier ohne Kenntnis einer kurdischen Sprache oder des Türkischen keine Handykarte kaufen kann, dass Terminsachen aus der Heimat ohne die nötigen Arbeitsmaterialien beim besten Willen nicht zu erledigen sind, oder dass man durch die ausführliche Zeit zum Surfen an die Zeit nach dem Stipendium erinnert wird. Daher: Schnell weiter! Es ist ganz gut, nicht zu viel Zeit zum Nachdenken zu haben.

Francis mit neuen Schuhen

Das berühmt-berüchtigte Museum von Van konnten wir heute leider nicht besuchen. Geschlossen wegen Renovierung. Ob wohl auch die offenbar sehr verdrehte Genozid-Abteilung erneuert wird? Hoffen wir es mal...

Nun hatten wir also mehr Zeit für Alt-Van, was sich sehr gelohnt hat. Eine riesige Festung mıt Bauteilen aus allen möglichen Epochen, vor allem auch aus der Zeit, in der Van unter dem Namen Tuschba die Hauptstadt des Reiches Urartu war (ca. 800-650 v. Chr.). Besonders beeindruckend Felsinschriften im Keilschrift, aber auch die "neueren" Teile der Festung, dıe zum Grossteil aus Lehmzıegeln erbaut wurden und sich dementsprechend in einem erbaermlichen Erhaltungszustand befinden.


Blick vom Festungsberg auf dıe Ruinen von Alt-Van

Auf dem Foto in Hintergrund ist das Areal zu erkennen, auf dem bis 1915 die Stadt Van stand. Heute ist dort eine Stadtwüstung. Ausser mehreren Moscheen und einer gewissen Reliefierung des Bodens erinnert dort nichst mehr an die alte Stadt. So ist Alt-Van ein hochinteressanter archaeologischer Testfall. Im syrischen Kalksteinmassiv kann man noch heute durch spaetantike Orte mıt Steinhaeusern wandern, eine Stadt aus Lehmziegeln verschwindet in nicht einmal hundert Jahren völlig.


Das Van Gölü Canavarı

Das eigentliche Highlight des Tages kam dann am spaeteren Nachmittag. Was am Loch Ness trotz ausgeklügelter Fütterversuche nicht klappte, ging in Van ohen grössere Mühe. Wir haben das Van Gölü Canavarı gesehen! Das Foto oben ist schlecht, aber man erkennt es deutlich links hinten im See. Wahnsinn! Oder doch Van-Sinn? Nunja, Wahn-Sinn in jedem Fall. Wir sollten rasch weiterfahren :-)

Montag, Juni 25, 2007

Von Urfa nach Van

Den Schrecken gestern auf der Strasse haben wir mittlerweile ganz gut verkraftet. Die Reparatur kostet 330 Euro. Ist zwar ein ganz schöner Batzen für die Reisekasse, aber im Vergleich zu Deutschland noch immer spottbillig, wenn man die ganzen Blecharbeiten bedenkt. Frohgemut kamen wir also aus der Werkstatt zurück, als der arme Francis vor der Hauptpost von Van stolperte und sich wieder am Fuss verletzte. Krankenhaus, Gips, Ruhetage. Van, alte Hauptstadt des urartaeischen Reiches, scheint uns behalten zu wollen. Was ja unter anderen Umstaenden durchaus einige Zeit auszuhalten waere, denn die Stadt ist lebhaft und freundlich, wenn auch unglaublich unansehnlich. Im 1. Weltkrieg war dıe Stadt umkaempft zwischen Armeniern und Russen auf der einen und Türken auf der anderen Seite. 1915 vollkommen zerstört wurde einige Kilometer weiter eıne neue Stadt Van errichtet, in der wir nun logieren. Bausubstanz, die es zu schuetzen gilt, gibt es hier nicht, und demenstprechend sieht die Stadt auch aus.

Einer der Teiche mıt den heiligen Karpfen in Urfa, die auch von uns reichlich gefüttert wurden


Dies ist ganz anders ım von den Reiseführern nicht beachteten Urfa, dem alten Edessa. Hier gibt es nicht nur eine Burg, in der nach 1098 auch Kreuzfahrer einzogen und unter Balduin von Boulogne die Grafschaft Edessa errichteten, sondern auch die Abrahamsgrotte, die Halil-Rahman-Moschee und der zum Komplex gehörender „Teich des Abraham“ mit heiligen (unantastbaren und daher zahlreichen) Karpfen. Die Legende besagt, daß Gott Abraham, der von König Nemrud auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, errettete, indem er das Feuer in Wasser verwandelte und Glutbrocken zu Karpfen wurden. Da auch der Prohpet Hiob hier gelebt haben soll, gehört Urfa zu den heiligsten Orten des Islam.

Souk in Urfa

Das berühmte Harran war dagegen eine Enttaeschung. Es hat sich von dem Mongolensturm definitiv noch nicht erholt. Das mag auch damit zu tun haben, dass es als arabische Stadt offensichtlich mit Födermittlen überschüttet wird. Dennoch war es nett, nur einige Kilometer von der Strasse entfernt zu sein, dıe wir im April in Syrien gefahren sind.

Harran

Dann ein absoluter Höhepunkt. Der Besuch auf der Grabung von Klaus Schmidt am Göbekli Tepe, jenem PPN-A/B-Platz, der allen aus der aktuellen Karlsuher Austellung wahrscheinlich bestens vertraut ist. Zwei praechtige Abendessen mit dem Grabungsteam des DAI, eine ausführliche Führung über den Hügel und extra für uns ausgepackte Stelen: ein besonderes Erlebnis. Auch wenn ich etwas flunkere: dıe Stelen wurden auch für einen türkischen General ausgepackt, der einen Tag vor uns da war, und für Ian Hodder, der einen Tag spaeter kam.

Göbekli Tepe

Dann Diyarbakır / Amida, jene Stadt, dıe man entweder aus der Tagesschau oder aus Ammianus Marcellinus kennt. Wunderschön, komplett von einer Stadtmauer umgeben, dıe zuletzt von Suleiman dem Praechtigen erneuert wurde, und genau wie Urfa (und vermutlich andere Orte auch) die fünftheiligste Stadt des Islam. Dıe schöne Ulu Cami erinnert tatsaechlich an die Ommayadenmoschee in Damaskus...

... und von der Stadtmauer sahen wir zum ersten Mal den zweiten Strom des Zweistromlandes, den Tigris. Von einem Strom kann hier zwar keine Rede sein, eher von eınem Baechle, aber imposant war die Aussicht dennoch.

Auch dıe Verpflegung stimmte. Hier ein Bild von sehr guten, scharf gewürzten Lebenspiessen


Der Tag war dennoch traurig, da Eva zu ihrer Grabung nach Catal Höyük aufbrechen musste und sich unser erfolgreiches Dreier-Team auflöste. Aber wir sehen uns in drei Wochen ın Catal wieder - zu Evas Geburtstagsparty!

Zu zweit machten wir uns dann auf gen Osten auf die Strasse nach Tavan über Batman (wirklich!), die man wegen der aktuellen Konflikte nur tagsüber befahren sollte. Das "wilde Kurdistan" war dennoch wunderschön, und am Ende des Tages stand der erste Blick auf den Vansee:

Nach dem kleinen Auto-Zwischenfall am naechsten Tag besichtigten wir die Insel Akdamar mit der armenischen Heiligkreuzkirche aus dem 9. Jh., die kürzlich frisch renoviert wurde. İch empfehle den verlinktem NZZ-Artikel für weitere Infos. Auf das Museum von Van bın ıch schon sehr gespannt, nicht nur wegen der Urartu-Bronzen.


Akdamar: Heiligkreuzkirche

Panoramen am Vansee

Sonntag, Juni 24, 2007

Viel Glück im Unglück!


Von Antakya aus sind wir über Urfa (Bericht vom Göbekli Tepe folgt) und Diyarbakır quer durch das wilde Kurdistan über Strassen, die man nachts tunlichst nicht befahren sollte (zur Zeit recht viel Blei in der Luft) gut in Tatvan am Vansee angekommen. Aber Gefahr drohte nicht von wilden Kurden, sondern vor allem von verrückten LKW-Fahrern. In paradiesischer Landschaft am Ufer des Vansees verlor ein uns entgegenrasender LKW mit Erd- und Steinabraum genau vor uns in einer Linkskurve eine ganze Ladung von seiner völlıg überladenen und ungesicherten Ladeflaeche. Ein grosser Stein ist mir in die linke Front auf Hoehe des Scheinwerfers gekracht. Der Vollidiot von LKW-Fahrer, der alles mitbekommen hat, hat sich schnell ım wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub gemacht. Die Baustelle, wo er herkam, ganz in der Naehe. Da aber kein Polizist aufzutreiben war, der irgendeine von uns gesprochene Sprache sprach, konnten wir den Deppen nicht mal anzeigen. Wirklich beruhigend, wenn bei der überall an den Strassen angeschriebenen zentralen Nummer der Polizei einer brummelt "No Inglis" und dann schnell auflegt, um sich nicht weiter mit Problemen beschaeftigen zu müssen. Europatauglich, ohne Zweifel. Scheinwerfer und Blinker sind jetzt hin, der Kotflügel beschaedigt; aber das ist ja alles harmlos, wenn man bedenkt, wie das haette ausgehen koennen. Einen Bruchteil einer Sekunde früher an dieser Stelle und die Steine, die in hohem Bogen ankamen, waeren weiter oben eingeschlagen... Da hat der heilige Johannes am heutigen Johannistag wohl seine Hand über uns gehalten.

Dienstag, Juni 19, 2007

Vom Nemrud Dağı nach Antiochia

Nun liegt sie hinter uns, die wahrscheinlich spektakulaerste archaeologische Staette der Tuerkei: Der Nemrud Dağı, der Grabtumulus von Antiochos I. von Kommagene. Über Malatya, Gaziantep, Issos und İskenderun sind wir nun in Antiochia angekommen. Hier schliesst sich der Kreis mit der Syrien-Reise, da wır heute nur wenige Kilometer an einer Strasse vorbeigekommen sind, die wir vor wenigen Wochen in Syrien befahren haben. In der Zeitnot des Internet-Cafes hier nur einige Bilder mit wenigen Kommentaren. Das Abendessen wartet, und vor allem Francis und Eva. Auf diesen Bild warten sie jedoch in der einsamen Romantik des Nemrud Dağı auf den Sonnenaufgang...


Hier der Tumulus beim Abstieg. Man sieht, wie dominant der Huegel das Gebirge beherrscht.

Unten dıe Osterrasse des Nemrud Dağı

Das Museum von Gaziantep mit den Funden aus Zeugma, das mittlerweile in des gestauten Fluten des Euphrat untergangen ist. Die museale "Wıedergutmachung" war sehr sehenswert!

Eın Fıschlokal an der Strasse von Malatya nach Gaziantep, ın dem dıe Forellen neben den Gaesten ın frıschem Quellwasser schwımmen und dann für den Grıll gefangen werden.


Das Ergebnis war sehr schmackhaft...


Gestern und heute Antakya, das antike Antiochia. Was für eine Stadt! Grosse Geschichte und heute türkisch-arabische Mischkultur, eınen schönen Souk, ein wunderbares katholisches Gaestehaus, ein praechtiges Museum und sogar eıne Kreuzfahrerburg. Antiochia ıst einen eigenen Beitrag wert. Das hier nur ın der schnelle. Und jetzt rasch zum essen....

Kreuzfahrerburg von Antiochia

Im Souk von Antakya


Hattussa - Boğazköy

Endlich habe ich es nun nach so vielen Geschichten von Papa auch einmal nach Boğazköy geschafft. Und dank der Einladung von dem Grabungsleiter Andreas Schachner sogar ganz stilvoll mit hervorragender Unterbringung im Grabungshaus des DAI, das sich direkt neben dem Museum befındet.


Ulf Schoop führte uns über seine laufende Grabung am Camlibel Tarlası, wo eine chalkolithische Siedlung gefunden wurde.

Der Rundgang durch Hatussa nahm, obwohl wir nur das wichtigste ansahen, einen ganzen Tag ın Anspruch. So viele Tempel, Tore, Magazine und Mauern. Da tat es ganz gut, das mit der unter Leitung von Jürgen Seeher errıchteten Rekonstruktion der Stadtmauer auch ein bischen experimentelle Archaeologie zu sehen war.

Gutes Klima, wunderschoene Landschaft, hochspannende Archaeologie und Erinnerungen an Erzaehlungen aus der Familie: Boğazköy ist eın Ort zum Wiederkommen!


Ankara


Ein kurzer, aber sehr schöner Tag führte uns nach Ankara, wo es ein weiteres, von mir lang erwartetes Wiedersehen gab: an den trafen wir Thermen Musa Kadioğlu bei Vermessungsarbeiten und bekamen anschliessend eine ausführliche Führung durch das römische Ankara - hier das Monumentum Ancyranum.

Spaeter ging es durch Ankaras dichten Verkehr zu Musa nach Hause, wo icj endlich seine Frau Nurcihan und die zwei Monate alte Tochter Ebru kennenlernen konnte. Dank Nurcihans und Musas Grosszuegigkeit konnten wir alle drei bei Ihnen unterkommen, eın grossartiges Abendessen geniessen, über alte Freiburger Zeiten plaudern und unsin Ankara gleich wohlfühlen. Çok teşekkür ederim!

Freitag, Juni 15, 2007

Schon im Osten...

Es geht alles schnell - fast zu schnell. Über Nikaia, Eskişehir, einem Besuch beı Musa, Nurhican und Ebru Kadioğlu ın Ankara, einem wunderbaren Tag ın Hattusa mit zwei Übernachtungen im DAI-Grabungshaus ın Boğazkale und bester Betreuung durch Ulf Schoop (Bericht folgt), heute dem Arslantepe und Malatya geht es morgen auf den Nemrud Dağ. Ein Höhepunkt jaht den naechsten. Dazwischen kommt campenderweise der VW-Bus wıeder zu vollem Einsatz. Gestern ın wunderbarer Landschaft kurz vor Malatya, wo Francis aus frischem Gemüse vom Markt einen wunderbaren Sugo zu Spaghetti gekocht hat. Gut auch, dass Eva so gut Türkisch spricht. Ich bin hıer zum ersten Mal auf der Reise in einem Land, in dem ich mich ganz sprachlos fühle. Ich lerne kraeftig, aber Türkisch ıst schwer... Hier in Malatya ıst es mıt 35 Grad viel waermer als in Boğazköy, und Richtung Süden wird das nicht mehr besser werden. Ein Glück, dass das Auto den Transport von viel frischer Waeche zulaesst. Dennoch muss ıch bald lernenş was "Wo gıbt es eınen Waschsalon?" auf Türkisch heisst. Meine Tagesausbeute vom Arslantepe ist: "Kazıyı gezmek mümkün mü?" Können wır dıe Ausgrabung besichtigen? Wir konnten, und wurden von eınem serh netten Waechter zu den berühmten Uruk-zeıtlıchen Wandmalereien geführt und wurden dann in der Laube der italienischen Ausgraeber noch mit Tee versorgt. Nun müssen wır weıter gen Südosten...

Samstag, Juni 09, 2007

Istanbul - Konstantinopel

Yeni Cami

Eine Woche Istanbul ist natürlich viel zu kurz für diese unglaubliche Stadt. Aber es war immerhin möglich, viel neues zu sehen und vieles aufzufrischen, an das ich mich nach dem letzten Besuch mit Papa 1989 nur noch vage erinnerte. Erstaunlich trotzdem, was auch nach 18 Jahren noch hängengeblieben ist!


Das Wetter ist schlechter geworden. Glücklicherweise, da es zuvor so schwül-heiß war, daß schon ohne Aktivität der Schweiß in Strömen lief. Das Bild oben ist von vorgestern und zeigt den Regentag, der uns heute einen sommerlich-kühlen Sonnentag beschert hat.

Die Istiklal Caddesi, eine lange Einkaufsstraße in Beyoglu nördlich des Goldenen Hornes, die vom Taksim-Platz bis zum "Tünel" führt, ist Teil unserer täglichen Wegstrecke vom DAI in die Altstadt. Hier gibt es nicht nur viele Shops, Kneipen, Cafés und eine lustige historische Tram, sondern auch Kinos. In einem von denen, das genauso gut ein Freiburger Hinterhofkino hätte sein können, haben wir vor einigen Tagen "Das Leben der Anderen" OmU gesehen. Interessant, wie viele junge Türken sich doch für diesen Film interessiert haben. Hier läuft übrigens auch gerade (wohl mal wieder) "Politiki Kouzina" bzw. "Zimt und Koriander". Wäre auch wirklich schön gewesen, diesen wunderbaren Film über Istanbul hier noch einmal zu sehen. Mit der Qual der Wahl haben wir uns aber doch eher für ein schönes Abendessen entschieden. In den Köfte war auch kein Zimt ;-)

Kann das noch übertroffen werden? Die Hagia Sophia ist mit Abstand das beeindruckstenste Bauwerk, das ich bisher auf der Stipendiatenreise gesehen habe. Die Raumwirkung dieser unter Justinian im 6. Jahrhundert erbauten Kirche ist wirklich unbeschreiblich. Das Foto kann das leider gar nicht wiedergeben.

Auch in den Topkapi-Serail sind wir dank Evas Türkisch kostenlos hineingekommen. Der Harem war leider jedoch schon geschlossen, weshalb wir uns mit der Schönheit der Gebäude und der Aussicht begnügen mussten. Aber ganz in der Nähe wartete schon das nächste Highlight...

... der Obelisk von Theodosius I., dessen Reliefs mit felligen Barbaren mich in der Doktorarbeit doch einige Stunden beschäftigt haben. Schön, das nun auch mal im Original gesehen zu haben!

Richtig archäologisch wurde es dann vorgestern beim Besuch der grossen Rettungsgrabungen wg. U-Bahb-Baus im Bereich des ehemaligen Theodosiushafens. Wie auf einer Grabung zu Hause regnete es in Strömen, und wären wir vom Grabungsleiter Ufuk Kocabas, unten links im Bild, nicht mit Gummistiefeln versorgt worden, hätten wir recht traurig aus der Wäsche geschaut. 24 Schiffe aus dem 9. und 10. Jahrhundert hat das Team der Uni Istanbul hier mittlerweile ausgegraben, eine beeindruckende Zahl, die einen noch beeindruckenderen Aufwand an Dokumentation, Bergung und vor allem Konservierung nach sich zieht. Ufuk Bey führte uns ausführlich durch das riesige Grabungsgelände und versorgte uns später noch mit einem Döner, den der Dönerci durch den Schlamm anliefern musste.

Gruppenbild vor byzantinischen Boot: Ufuk Kocabas, Evren Türkmenoglu, Eva und ich

Gestern habe ich fast den ganzen Tag in der Autowerkstatt verbracht, um das kaputte Fernlicht-Ablendlicht-Umschalt-Relais ersetzen zu lassen. Da ich dann eh da war, habe ich auch gleich den linken Aussenspiegel machen lassen. Bin jetzt echter Kenner des Tagesablaufs in einer türkischen Autowerkstatt, um 2 Sesamkringel und 12 Tees reicher und 120 Euro ärmer. Dürfte aber immer noch günstig gewesen sein im Vergleich zum gleichen Aufwand in Deutschland. Bestens ausgestattet kann es morgen also gen Osten gehn.
Der Gang der Dinge...


Gefunden in der Franziskanerkirche S. Maria Draperis, Istiklal Cad., Beyoglu, Istanbul

Mittwoch, Juni 06, 2007

DAI Istanbul

Viele bisher gesehene DAI-Häuser waren prächtig, aber Istanbul ist wohl kaum zu toppen. Untergebracht in einem palastartigen Gebäude hoch über dem Bosporus im Stadteil Beyoglu, das einst die kaiserlich-deutsche Botschaft bei der Hohen Pforte beherbergte. Heute teilen sich das deutsche Generalkonsulat und das DAI das Haus. Das beste jedoch ist die Aussicht aus der Gästeetage des DAI. Das Herren-Bad beispielsweise, im Bild oben die beiden kleinen Fenster im obersten Stockwerk ganz rechts, bietet folgenden Ausblick:

Im Süden das Stadtzentrum mit dem Eingang des Goldenen Hornes, dem Topkapi-Palast und der Hagia Sophia, gen Norden und Osten die Fluchtlichter des Besiktas-Stadions, den Bosporus mit der großen Brücke und natürlich die asiatische Seite der Stadt.

Da kann man abends stundenlang am Fenster stehen und dem bunten Treiben auf dem Bosporus zusehen. Ein wunderbarer Platz!
Kalapodi

Ein kleines Freiburger-Treffen in Griechenland: Mit Constanze machte ich mich von Athen auf zur DAI-Grabung in Kalapodi (Phokis), wo im Schatten des Parnass unter Leitung des Athener DAI-Direktors Wolf-Dietrich Niemeier eine Tempelanlage mit stratigraphischer Kontinuität von mittelhelladischer Zeit bis in die Spätantike ergraben wird. Sehr spannende Grabung, interessante Befunde, Fragmente früharchaischer Wandmalerei, ein gutes Mittagessen und sehr nette Leute; allen voran Laura, die dort für die Keramik zuständig ist und mit der Hauptgrund war, nach Kalapodi zu fahren. In der Ferne alte Bekannte wiederzutreffen ist doch einer der schönsten Aspekte des Reisestipendiums!

Laura Rizotto und Constanze von Rüden an den enormen Trockensieben der Kalapodi-Grabung

Dienstag, Juni 05, 2007

Akrokorinth

Herzlichen Glückwunsch an Matthias, den Gewinner des kleinen Rätsels, und an Leo, Steph und meinen Vater für's mitmachen! Für diejenigen, die jetzt peinlich berührt feststellen, daß sie die Kraniche des Ibykus von Schiller nicht kennen, voilà:

Die Kraniche des Ibykus

Zum Kampf der Wagen und Gesänge,
Der auf Korinthus' Landesenge
Der Griechen Stämme froh vereint,
Zog Ibykus, der Götterfreund.
Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
Der Lieder süßen Mund Apoll,
So wandert' er, an leichtem Stabe,
Aus Rhegium, des Gottes voll.

Schon winkt auf hohem Bergesrücken
Akrokorinth des Wandrers Blicken,
Und in Poseidons Fichtenhain
Tritt er mit frommem Schauder ein.
Nichts regt sich um ihn her, nur Schwärme
Von Kranichen begleiten ihn,
Die fernhin nach des Südens Wärme
In graulichtem Geschwader ziehn.

"Seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
Die mir zur See Begleiter waren,
Zum guten Zeichen nehm ich euch,
Mein Los, es ist dem euren gleich.
Von fernher kommen wir gezogen
Und flehen um ein wirtlich Dach.
Sei uns der Gastliche gewogen,
Der von dem Fremdling wehrt die Schmach!"

Und munter fördert er die Schritte
Und sieht sich in des Waldes Mitte,
Da sperren, auf gedrangem Steg,
Zwei Mörder plötzlich seinen Weg.
Zum Kampfe muß er sich bereiten,
Doch bald ermattet sinkt die Hand,
Sie hat der Leier zarte Saiten,
Doch nie des Bogens Kraft gespannt.

Er ruft die Menschen an, die Götter,
Sein Flehen dringt zu keinem Retter,
Wie weit er auch die Stimme schickt,
Nicht Lebendes wird hier erblickt.
"So muß ich hier verlassen sterben,
Auf fremdem Boden, unbeweint,
Durch böser Buben Hand verderben,
Wo auch kein Rächer mir erscheint!"

Und schwer getroffen sinkt er nieder,
Da rauscht der Kraniche Gefieder,
Er hört, schon kann er nichts mehr sehn,
Die nahen Stimmen furchtbar krähn.
"Von euch, ihr Kraniche dort oben,
Wenn keine andre Stimme spricht,
Sei meines Mordes Klag erhoben!"
Er ruft es, und sein Auge bricht.

Der nackte Leichnam wird gefunden,
Und bald, obgleich entstellt von Wunden,
Erkennt der Gastfreund in Korinth
Die Züge, die ihm teuer sind.
"Und muß ich dich so wiederfinden,
Und hoffte mit der Fichte Kranz
Des Sängers Schläfe zu umwinden,
Bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!"

Und jammernd hören's alle Gäste,
Versammelt bei Poseidons Feste,
Ganz Griechenland ergreift der Schmerz,
Verloren hat ihn jedes Herz.
Und stürmend drängt sich zum Prytanen
Das Volk, es fordert seine Wut,
Zu rächen des Erschlagnen Manen,
Zu sühnen mit des Mörders Blut.

Doch wo die Spur, die aus der Menge,
Der Völker flutendem Gedränge,
Gelocket von der Spiele Pracht,
Den schwarzen Täter kenntlich macht?
Sind's Räuber, die ihn feig erschlagen?
Tat's neidisch ein verborgner Feind?
Nur Helios vermag's zu sagen,
Der alles Irdische bescheint.

Er geht vielleicht mit frechem Schritte
Jetzt eben durch der Griechen Mitte,
Und während ihn die Rache sucht,
GeniePt er seines Frevels Frucht.
Auf ihres eignen Tempels Schwelle
Trotzt er vielleicht den Göttern, mengt
Sich dreist in jene Menschenwelle,
Die dort sich zum Theater drängt.

Denn Bank an Bank gedränget sitzen,
Es brechen fast der Bühne Stützen,
Herbeigeströmt von fern und nah,
Der Griechen Völker wartend da,
Dumpfbrausend wie des Meeres Wogen;
Von Menschen wimmelnd, wächst der Bau
In weiter stets geschweiftem Bogen
Hinauf bis in des Himmels Blau.

Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
Die gastlich hier zusammenkamen?
Von Theseus' Stadt, von Aulis' Strand,
Von Phokis, vom Spartanerland,
Von Asiens entlegener Küste,
Von allen Inseln kamen sie
Und horchen von dem Schaugerüste
Des Chores grauser Melodie,

Der streng und ernst, nach alter Sitte,
Mit langsam abgemeßnem Schritte,
Hervortritt aus dem Hintergrund,
Umwandelnd des Theaters Rund.
So schreiten keine irdschen Weiber,
Die zeugete kein sterblich Haus!
Es steigt das Riesenmaß der Leiber
Hoch über menschliches hinaus.

Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden,
Sie schwingen in entfleischten Händen
Der Fackel düsterrote Glut,
In ihren Wangen fließt kein Blut.
Und wo die Haare lieblich flattern,
Um Menschenstirnen freundlich wehn,
Da sieht man Schlangen hier und Nattern
Die giftgeschwollenen Bäuche blähn.

Und schauerlich gedreht im Kreise
Beginnen sie des Hymnus Weise,
Der durch das Herz zerreißend dringt,
Die Bande um den Sünder schlingt.
Besinnungsraubend, herzbetörend
Schallt der Errinyen Gesang,
Er schallt, des Hörers Mark verzehrend,
Und duldet nicht der Leier Klang:

Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
Bewahrt die kindlich reine Seele!
Ihm dürfen wir nicht rächend nahn,
Er wandelt frei des Lebens Bahn.
Doch wehe, wehe, wer verstohlen
Des Mordes schwere Tat vollbracht,
Wir heften uns an seine Sohlen,
Das furchtbare Geschlecht der Nacht!

Und glaubt er fliehend zu entspringen,
Geflügelt sind wir da, die Schlingen
Ihm werfend um den flüchtgen Fuß,
DaP er zu Boden fallen muß.
So jagen wir ihn, ohn Ermatten,
Versöhnen kann uns keine Reu,
Ihn fort und fort bis zu den Schatten
Und geben ihn auch dort nicht frei.

So singend, tanzen sie den Reigen,
Und Stille wie des Todes Schweigen
Liegt überm ganzen Hause schwer,
Als ob die Gottheit nahe wär.
Und feierlich, nach alter Sitte
Umwandelnd des Theaters Rund
Mit langsam abgemePnem Schritte,
Verschwinden sie im Hintergrund.

Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
Noch zweifelnd jede Brust und bebet
Und huldigt der furchtbarn Macht,
Die richtend im Verborgnen wacht,
Die unerforschlich, unergründet
Des Schicksals dunklen Knäuel flicht,
Dem tiefen Herzen sich verkündet,
Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.

Da hört man auf den höchsten Stufen
Auf einmal eine Stimme rufen:
"Sieh da! Sieh da, Timotheus,
Die Kraniche des Ibykus!" -
Und finster plötzlich wird der Himmel,
Und über dem Theater hin
Sieht man in schwärzlichtem Gewimmel
Ein Kranichheer vorüberziehn.

"Des Ibykus!" - Der teure Name
Rührt jede Brust mit neuem Grame,
Und, wie im Meere Well auf Well,
So läuft's von Mund zu Munde schnell:
"Des Ibykus, den wir beweinen,
Den eine Mörderhand erschlug!
Was ist's mit dem? Was kann er meinen?
Was ist's mit diesem Kranichzug?" -

Und lauter immer wird die Frage,
Und ahnend fliegt's mit Blitzesschlage
Durch alle Herzen. "Gebet acht!
Das ist der Eumeniden Macht!
Der fromme Dichter wird gerochen,
Der Mörder bietet selbst sich dar!
Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
Und ihn, an den's gerichtet war."

Doch dem war kaum das Wort entfahren,
Möcht er's im Busen gern bewahren;
Umsonst, der schreckenbleiche Mund
Macht schnell die Schuldbewußten kund.
Man reißt und schleppt sie vor den Richter,
Die Szene wird zum Tribunal,
Und es gestehn die Bösewichter,
Getroffen von der Rache Strahl.