Montag, Juni 25, 2007

Von Urfa nach Van

Den Schrecken gestern auf der Strasse haben wir mittlerweile ganz gut verkraftet. Die Reparatur kostet 330 Euro. Ist zwar ein ganz schöner Batzen für die Reisekasse, aber im Vergleich zu Deutschland noch immer spottbillig, wenn man die ganzen Blecharbeiten bedenkt. Frohgemut kamen wir also aus der Werkstatt zurück, als der arme Francis vor der Hauptpost von Van stolperte und sich wieder am Fuss verletzte. Krankenhaus, Gips, Ruhetage. Van, alte Hauptstadt des urartaeischen Reiches, scheint uns behalten zu wollen. Was ja unter anderen Umstaenden durchaus einige Zeit auszuhalten waere, denn die Stadt ist lebhaft und freundlich, wenn auch unglaublich unansehnlich. Im 1. Weltkrieg war dıe Stadt umkaempft zwischen Armeniern und Russen auf der einen und Türken auf der anderen Seite. 1915 vollkommen zerstört wurde einige Kilometer weiter eıne neue Stadt Van errichtet, in der wir nun logieren. Bausubstanz, die es zu schuetzen gilt, gibt es hier nicht, und demenstprechend sieht die Stadt auch aus.

Einer der Teiche mıt den heiligen Karpfen in Urfa, die auch von uns reichlich gefüttert wurden


Dies ist ganz anders ım von den Reiseführern nicht beachteten Urfa, dem alten Edessa. Hier gibt es nicht nur eine Burg, in der nach 1098 auch Kreuzfahrer einzogen und unter Balduin von Boulogne die Grafschaft Edessa errichteten, sondern auch die Abrahamsgrotte, die Halil-Rahman-Moschee und der zum Komplex gehörender „Teich des Abraham“ mit heiligen (unantastbaren und daher zahlreichen) Karpfen. Die Legende besagt, daß Gott Abraham, der von König Nemrud auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, errettete, indem er das Feuer in Wasser verwandelte und Glutbrocken zu Karpfen wurden. Da auch der Prohpet Hiob hier gelebt haben soll, gehört Urfa zu den heiligsten Orten des Islam.

Souk in Urfa

Das berühmte Harran war dagegen eine Enttaeschung. Es hat sich von dem Mongolensturm definitiv noch nicht erholt. Das mag auch damit zu tun haben, dass es als arabische Stadt offensichtlich mit Födermittlen überschüttet wird. Dennoch war es nett, nur einige Kilometer von der Strasse entfernt zu sein, dıe wir im April in Syrien gefahren sind.

Harran

Dann ein absoluter Höhepunkt. Der Besuch auf der Grabung von Klaus Schmidt am Göbekli Tepe, jenem PPN-A/B-Platz, der allen aus der aktuellen Karlsuher Austellung wahrscheinlich bestens vertraut ist. Zwei praechtige Abendessen mit dem Grabungsteam des DAI, eine ausführliche Führung über den Hügel und extra für uns ausgepackte Stelen: ein besonderes Erlebnis. Auch wenn ich etwas flunkere: dıe Stelen wurden auch für einen türkischen General ausgepackt, der einen Tag vor uns da war, und für Ian Hodder, der einen Tag spaeter kam.

Göbekli Tepe

Dann Diyarbakır / Amida, jene Stadt, dıe man entweder aus der Tagesschau oder aus Ammianus Marcellinus kennt. Wunderschön, komplett von einer Stadtmauer umgeben, dıe zuletzt von Suleiman dem Praechtigen erneuert wurde, und genau wie Urfa (und vermutlich andere Orte auch) die fünftheiligste Stadt des Islam. Dıe schöne Ulu Cami erinnert tatsaechlich an die Ommayadenmoschee in Damaskus...

... und von der Stadtmauer sahen wir zum ersten Mal den zweiten Strom des Zweistromlandes, den Tigris. Von einem Strom kann hier zwar keine Rede sein, eher von eınem Baechle, aber imposant war die Aussicht dennoch.

Auch dıe Verpflegung stimmte. Hier ein Bild von sehr guten, scharf gewürzten Lebenspiessen


Der Tag war dennoch traurig, da Eva zu ihrer Grabung nach Catal Höyük aufbrechen musste und sich unser erfolgreiches Dreier-Team auflöste. Aber wir sehen uns in drei Wochen ın Catal wieder - zu Evas Geburtstagsparty!

Zu zweit machten wir uns dann auf gen Osten auf die Strasse nach Tavan über Batman (wirklich!), die man wegen der aktuellen Konflikte nur tagsüber befahren sollte. Das "wilde Kurdistan" war dennoch wunderschön, und am Ende des Tages stand der erste Blick auf den Vansee:

Nach dem kleinen Auto-Zwischenfall am naechsten Tag besichtigten wir die Insel Akdamar mit der armenischen Heiligkreuzkirche aus dem 9. Jh., die kürzlich frisch renoviert wurde. İch empfehle den verlinktem NZZ-Artikel für weitere Infos. Auf das Museum von Van bın ıch schon sehr gespannt, nicht nur wegen der Urartu-Bronzen.


Akdamar: Heiligkreuzkirche

Panoramen am Vansee

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Da siehst Du mal, wie Deine Fangemeinde Anteil nimmt! Super, daß Du sie jetzt auch mit weiterführender Lektüre versorgst. Weiter so, bitte! EVR

8:49 AM  
Anonymous Anonym said...

Ach Philipp,

wie schön die Bilder sind, ich muss auch irgendwann mal in die Türkei kommen! Wo bist du eigentlich Ende August?!

Mir gehts weiterhin in Tübingen sehr gut. Habe meine 2 Scheine schon in der Tasche und versuche morgen und übermorgen die Noten in den zweiten Klausuren noch aufzubessern.

Hast du mitbekommen, dass der SC Ali Günes verpflichtet hat? Passt doch zu deinen Türkei-Erlebnissen :)

Liebe Grüße!

Leo

11:32 AM  

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