Montag, März 24, 2008

Culinaria Berolina

Mal wat Neues? Dann empfiehlt der Kenner das Restaurant "Müggelturm". Ein echter Geheimtip in Berlin. Das Haus macht von außen nicht den Eindruck eines gastronomischen Unternehmens. Und doch hat der Wirt über Jahre hinweg alles unternommen, um hier beste Voraussetzungen für hervorragende Gastlichkeit zu schaffen. Außen zeigt das Haus einen Touch Ruinenromantik, die Inneneinrichtung des Restaurants erzeugt leicht museale Feiertagsstimmung mit Nostalgiewert. Nur der moderne Eisschrank neben dem Eingang deutet darauf hin, dass hier nicht nur Dekoration, sondern auch Inhalte gepflegt werden.

Der "Müggeltum" ist ein Familienbetrieb mit reibungslos funktionierender Arbeitsteilung. Der ehemalige Innenarchitekt Erich Gonecker, dem fehlende professionelle Ausbildung in keinem Detail anzumerken ist, steht am Herd, den Service teilen sich Mutter und Sohn auf sehr umgängliche und hilfsbereite Art und kredenzen hochwertige, gut abgestimmte Biere. Die meisten der zuverlässig frischen Produkte mit intensivem Eigengeschmack stammen aus dem eigenen Garten, aus dem nahen Berlin und von Aldi. Die Leistungen der Küche sind ungewöhnlich konstant, Zufälligkeiten und spontane Eingebungen nicht erkennbar.

Ganz köstlich die sanfte Senf-Sauce zur Boulette von gemischtem Hack, fein und frisch die Pommes von der brandenburgischen Kartoffel, behutsam mit einer Prise Fleur de sel bestreut, gekrönt vom Inhalt einer Packung Ketchup. Auch das Pils mit zartsäuerlichem Schaum war ein Vergnügen. Auf optimales Fritieren in nicht zu jungem Fett versteht sich Gonecker ebenso wie auf das Zapfen des idealen Pils. "Müggelturm" - nicht nur ein kulinarischer, sondern auch ein kultureller Höhepunkt. Superlative des Trash kombiniert mit hohem Fokuhila-Faktor und wunderbarer Aussicht über Brandenburg und Berlin. Und das Weizen gibt's für 2,50 Euro sogar aus einem echten Glas - ein Muss also für jeden Liebhaber brandenburgischer Gastlichkeit.