Reichesdorf (Richis)
Die Kirche war natuerlich, wie die meisten saechsischen Kirchen in Siebenbuergen, verschlossen. In dem "Magazin Mixt" bekam ich mich Hilfe von ein paar Brocken Italienisch und ein bischen Deutsch der Verkaeuferin heraus, dass man wegen des Schluessels bei Schaas Hans fragen muesse, die Strasse hinauf und dann rechts bei "Brunnen fuer Tier". Zuerst lief ich natuerlich in drei falsche Hoefe hinein, der vierte war aber tatsaechlich der von Johann Schaas. Der freute sich sehr, einen deutschsprachigen Besucher zu haben, erzaehlte mir erst ausfuehrlich die mir noch nicht bekannte Geschichte der Terroristen in Deutschland, und fuhr dann mit mir zur Kirche.
In der Kirche stellte sich Herr Schass als begeisterter Erzaehler heraus, der mit viel Humor und grosser Kenntnis ueber seine Kirche erzaehlte. Von Zisterziensern wurde sie in fruehgotischem Stil erbaut, wurde die Kirche in der Reformation wie fast alle Gemeinden der Siebenbuerger Sachsen evangelisch und im 15. Jahrhundert zur Abwehr tuerkischer Angriffe in eine Befestigungsanlage integriert. Besonders schoen sind die blattfoermigen Pilaterkapitelle und Schlussteine, in denen man Gesichter erkennen kann, und die ueber Jahrhunderte so stark ausgetreten Wendeltreppe zur Empore, dass schon Loecher in den Stufen sind. Die Kirche hatte vor dem zweiten Weltkrieg noch 1300 Gemeindemitglieder, und heute noch sieben. Dennoch feiern sie regelmaessig Gottesdienst - die sieben Gesangbuecher bleiben gleich auf den Plaetzen liegen. Einer von den wenigen, die geblieben sind, ist Herr Schaas. Froehlich erzaehlt er ueber die Kirche, und auch recht gelassen ueber Schicksal der Gemeinde. Die Tage der saechsischen Kirchengemeinde in Reichesdorf sind nach 800 Jahren Praesenz wohl endgueltig gezaehlt. Was man braeuchte, so Herr Schaas, sei die Rueckkehr von einigen jungen Maennern. Da dies aber wohl nicht geschehe, sehe er keine wirkliche Hoffnung mehr. Dennoch wollte er sich am naechsten Tag nach Schaessburg aufmachen, um dort mit Journalisten aus Deutschland zu sprechen. Der Pfarrer meinte, Herr Schaas solle auch etwas von seinem Schnaps mitbringen. Es ist Reichesdorf zu wuenschen, dass es geholfen hat!
Nach der Besichtigung der grossen Kirchenburg von Bierthaelm war ich am Ueberlegen, ob ich ueberhaupt in das kleine Dorf Reichesdorf in der Nachbarschaft fahre, da dort nur im Atlas eine Kirche angezeigt war, die im Reisefuehrer gar nicht vorkam. Gluecklicherweise habe ich es gemacht, denn Reichesdorf wurde zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Die Kirche war natuerlich, wie die meisten saechsischen Kirchen in Siebenbuergen, verschlossen. In dem "Magazin Mixt" bekam ich mich Hilfe von ein paar Brocken Italienisch und ein bischen Deutsch der Verkaeuferin heraus, dass man wegen des Schluessels bei Schaas Hans fragen muesse, die Strasse hinauf und dann rechts bei "Brunnen fuer Tier". Zuerst lief ich natuerlich in drei falsche Hoefe hinein, der vierte war aber tatsaechlich der von Johann Schaas. Der freute sich sehr, einen deutschsprachigen Besucher zu haben, erzaehlte mir erst ausfuehrlich die mir noch nicht bekannte Geschichte der Terroristen in Deutschland, und fuhr dann mit mir zur Kirche.
In der Kirche stellte sich Herr Schass als begeisterter Erzaehler heraus, der mit viel Humor und grosser Kenntnis ueber seine Kirche erzaehlte. Von Zisterziensern wurde sie in fruehgotischem Stil erbaut, wurde die Kirche in der Reformation wie fast alle Gemeinden der Siebenbuerger Sachsen evangelisch und im 15. Jahrhundert zur Abwehr tuerkischer Angriffe in eine Befestigungsanlage integriert. Besonders schoen sind die blattfoermigen Pilaterkapitelle und Schlussteine, in denen man Gesichter erkennen kann, und die ueber Jahrhunderte so stark ausgetreten Wendeltreppe zur Empore, dass schon Loecher in den Stufen sind. Die Kirche hatte vor dem zweiten Weltkrieg noch 1300 Gemeindemitglieder, und heute noch sieben. Dennoch feiern sie regelmaessig Gottesdienst - die sieben Gesangbuecher bleiben gleich auf den Plaetzen liegen. Einer von den wenigen, die geblieben sind, ist Herr Schaas. Froehlich erzaehlt er ueber die Kirche, und auch recht gelassen ueber Schicksal der Gemeinde. Die Tage der saechsischen Kirchengemeinde in Reichesdorf sind nach 800 Jahren Praesenz wohl endgueltig gezaehlt. Was man braeuchte, so Herr Schaas, sei die Rueckkehr von einigen jungen Maennern. Da dies aber wohl nicht geschehe, sehe er keine wirkliche Hoffnung mehr. Dennoch wollte er sich am naechsten Tag nach Schaessburg aufmachen, um dort mit Journalisten aus Deutschland zu sprechen. Der Pfarrer meinte, Herr Schaas solle auch etwas von seinem Schnaps mitbringen. Es ist Reichesdorf zu wuenschen, dass es geholfen hat!

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