Sonntag, Juli 29, 2007

Troja

Zum Abschluß unserer langen Türkei-Rundreise noch ein langerwarteter Höhepunkt: Troja. Als Francis und ich nach unserem Abschied von Martin Beckmann nach einer unglaublich heissen Fahrt in Troja ankamen, war Eva schon da und hatte, da sie selbst viele Jahre in Troja gegraben hatte (und bei Korfmann promoviert hat), schon eine Unterkunft im Grabungsdorf für uns organisiert. Wir wurden nett von Grabungsteam aufgenommen, das nur noch kleine Grabungen unternimmt und vor allem die grossen Grabungen unter Korfmann aufarbeitet. Es war spannend, das berühmte Troja-Projekt einmal von innen zu sehen, und gleichzeitig traurig zu sehen, wie schwer Korfmanns Verlust wiegt. Geradezu symblisch war der liebevoll angelegte Garten, der an passenden Stellen mit Schildchen und Zitaten aus der Ilias geschmückt war: die grosse Rosmarin-Hecke mit Schildchen und Zitat zum Thema "Heilkräuter" ist im Sommer von Korfmanns Tod verdorrt.

Nordostbastion der Burg von Troja VI, eingebaut in die hellenistische Temenosmauer des Athentempels

Über die Burg führte uns Eva und gab sich alle Mühe, unseren eio weit über 40 Grad etwas tauben Köpfen die komplizierte Stratigraphie zu erklären. Mit vielen Pausen im Schatten machten wir einen ausführlichen Rundgang, der jedem widerspricht, der meint, es gäbe in Troja nichts zu sehen.

Peter Jablonka mit Eva und Francis

Durch die Unterstadt von Troja führte uns Peter Jablonka, der langjährige technische Grabungsleiter der Grabung. Peter konnte im letzten Jahr in einem Schnitt den Verteidigungsgraben der Unterstadt auch dort nachweisen konnte, wo die Geophysik an ihre Grenzen gekommen war. Eines der wichtigsten Argumente der Kritiker im Troja-Streit ist somit widerlegt; das Interesse der Trojaner jedoch, die Diskussion wieder aufleben zu lassen, ist gering.

Graben der spätbronzezeitlichen Unterstadt von Troja VI

Zu Gange waren in Troja auch zwei Freiburger: Christian Hübner und Stefan Giese von GGH, die die geophysikalischen Untersuchungen fortsetzten. So gab es auch in Troja ein kleines Freiburgertreffen.

Christian Hübner bei der Arbeit mit dem Caesium-Magnetometer

Den Tag in Troja beschloss ein Bad in der Besik-Bucht, in der vielleicht die Schiffe der Griechen bei der Belagerung Trojas vor Anker gegangen sind. Heute ist die Bucht flach, aber mit eiskaltem, klarem Wasser gesegnet, das bei der Hitze ein wahrer Segen war.

Besik-Bucht

Christian Hübner, Francis, eine Grabungsteilnehmerin, Peter Jablonka und Eva, vorne Deniz, bei der Pause

Troja war in vielerlei Hinsicht spannend, die beiden Abend mit dem Grabungsteam sehr nett. Der Ort, von dem ich zuvor schon so viel gehört hatte, hat jetzt endlich konkrete Konturen gewonnen. Seinen Ausklang fand der Besuch in Canakkale, wo nicht nur das trojanische Pferd aus dem Hollywood-Streifen "Troy" zu sehen ist, sondern auch die private Bibliothek von Korfmann, die er der Stadt Canakkale vermacht hat und die heute als öffentliche Bibliothek dient (Manfred Osman Korfmann Kütüphanesi) .

Freiburg in Troja. Die Klimaanlage aus dem rechten Wagen hätte sich auch bei uns gut gemacht. Zur Zeit ist es hier so warm, dass beim der Asphalt auf der Strasse nicht nur schmilzt, sondern so heiss ist, dass bei der Öffnung der Fenster keine Abkühlung im Schwitzkasten namens Auto eintritt, sondern man das Gefühl hat, sich einen Föhn ins Gesicht zu halten...