Montag, August 11, 2008

Agosto a Roma

Wahrheiten gibt es in der Geschichtswissenschaft nur wenige. Eine aber ist in Michael Kulikowskis schönem Gotenbuch zu finden. Ganz am Anfang des Buches, bei der Beschreibung der Alarichschen Belagerung von Rom im Jahr 410, steht dort: "Rome in August is a sultry and oppressive place, the air blanket of heat and stench. To this day as many Romans as can manage it leave the city for the month...". Wie wahr. Drei Adjektive reichen, um Rom im August zu beschreiben: heiss, schwül, leer. Nun haben seit heute selbst unsere Bar, unsere Stammrosticceria und der Supermarkt für die nächsten Wochen geschlossen. Eine Stadt macht zu. Beeindruckend, aber nicht sehr motovierend, wenn man selbst am Schreibtisch bleibt. Die Busfahrer haben auch keine Lust mehr zu fahren im August, und es soll Bibliotheksangestellte geben, die eigentlich Pförtner und Bibliothekar spielen sollten, statt dessen aber die ganze Arbeitszeit über vor der Glotze sitzen mit dem guten Argument, es sei doch schließlich August. Ja, stimmt. August - ich vergass. Aber es wusste ja schon Obelix: Die spinnen die......
Es ist ja, ganz unter uns, schon eine Zumutung, von Angestellten zu verlangen, in ihrer Arbeitszeit zu arbeiten. Wo kämen wir denn da hin, wenn alle arbeiten würden? Da wäre ja bald nix mehr zum arbeiten da. Und dann bräuchte man statt sechs Leuten, die nichts tun, vielleicht nur noch drei Leute, die nichts tun. Nein, der Römer weiss es besser. Warum soll man denn arbeiten, wenn die anderen auch nicht arbeiten? Das geht ja schliesslich nicht. Das einzige Problem sind ohnehin die Rumänen. Denn die arbeiten wirklich. Wie bitte, anstrengen? Was soll das heissen? Geld bekommen für Arbeit? Hä? Nein, es geht doch viel einfacher: (Post-)Faschisten wählen. Die schmeissen nicht nur die Stranieri raus, sondern haben auch dafür gesorgt, dass nun die Armee wieder als Ordnungskraft in den Städten eingesetzt wird. Es wird schon wieder alles gut.
Aber zurück zu ernsten Themen, zum Beispiel dem Wetter...

Mein eigentlich sehr schönes Zimmer hat nämlich den Nachteil, dass es an den Aussenwänden tagsüber fast durchgehend von der Sonne beschienen wird. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Wände abends heiss sind und es im Zimmer nachts immer wesentlich wärmer ist als draussen, wo es auch nicht kühl ist. Hinzu kommen die zanzare, die Mücken, die es hier reichlich gibt. Ich kann mich nachts entscheiden, ob ich eine kühle Brise will, durch das Fenster ohne Mückengitter, oder lieber ein Mückengitter, aber dann keine kühle Brise. Ich wähle in der Regel die Mücken. Die haben hier in Rom wenigstens den Vorteil, dass man sie nicht hört. In den letzten Wochen war ich zudem irgendwie imun gegen die Viecher. Seit Samstag aber nicht mehr. Seitdem hab ich sicher schon 25 Stiche bekommen und ich rätsle, warum. Meine Vermutung ist meine Kur. Da nämlich fast alle weg sind (August!) gibt es kaum mehr ungesunde Getränke. Das scheinen die Mücken zu mögen. Vor einer Woche war das noch ganz anders, denn da hatten wir im Villino unser Sommerfest....

mit prächtigem Buffet, selbstgemachten Cocktails , Barbecue und Tanz bis in den frühen morgen. Zur grossen Polonaise kam es nicht, es gab eher seriöse Musik wie Macarena und ähnliches, aber die Stimmung war prächtig und gestochen wurde ich in dieser Nacht auch nicht.


August - das bedeutet auch Schlussverkauf. Also machten wir uns gestern auf zu La Rinascente, wo ein bewundernswerter weiterer Effekt zu besichtigen war: leergeräumte Regale. August, das grosse Ende. Aber ich war trotzdem erfolgreich. Nach einem Jahr des Hin- und Herüberlegens, nach einem Fast-Kauf in Urfa, nach Es-dann-aber-doch-nicht-getan-haben, nach viel Reflexion, dialektischer Erwägung und Einholung unterschiedlichster Expertisen habe ich nun eines: ein lila Oberhemd. Dazu aber beim nächsten Mal...

3 Comments:

Anonymous Anonym said...

lila? Da bin ich mal gespannt....

9:22 AM  
Anonymous Anonym said...

anhand der Zählung der Mückenstiche kann ich feststellen, dass Archäologen besser zählen können als Juristen.

liebe Grüße aus Berlin, wo die Mücken noch laut sind,
Franziska

10:36 PM  
Anonymous Anonym said...

Jetzt habe ich vielleicht eine Erklärung dafür, weswegen ich in diesem Jahr in der Toskana auf wundersame Weise recht glimpflich davongekommen bin: die Mücken sind in Rom geblieben.

Viele Grüße aus dem verregneten Gallien in die Urbs

G. G.

10:49 AM  

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