Samstag, Juli 05, 2008

Istituto Svizzero di Roma

Die 60-Jahr-Feier des Schweizer Instituts am gestrigen Abend bot Musik, Literatur, ein imposantes Haus und ein prächtiges Panorama von der Dachterrasse.

Am spannendsten, noch besser eigentlich als die Aussicht, die Lesung von Paul Nizon und die wunderbare Musik eines Gitarrenquartetts, war die Essensausgabe (man könnte auch Fütterung sagen), bei der distinguiert wirkende Damen und Herren mit einer unbeschreiblichen Agressivität um Plastikteller mit Pasta kämpften. Als wir uns anstellten, drängte sich rechts eine ältere Dame im Abendkleid vorbei, griff unter den vor ihr stehenden Leuten an den Ausgabetisch und versuchte, bis ein Kellner empört aufschrieh, sich durch die Menschenmenge hindurch Pasta auf den offensichtlich schon benutzten Teller zu schaufeln. Während ich das interessiert beobachtete, stiess mir ein graumelierter Herr im schwarzen Anzug mit dem Ellenbogen in die linke Seite und quetschte sich vorbei in Richtung des Tisches, auf dem die Kellner schon drei von vier Schüsseln Pasta verteilt hatten. Allgemeine Angst, nichts mehr zu bekommen, verstärkte den Druck. Der drängelnde Herr, mittlerweile erfolgreich vor mir und nur noch zwei Reihen vom Ziel entfernt, wurde nun selbst gedrückt und brachte eine winzige, aber äußerst energisch kämpfende alte Dame ins Straucheln, die gerade dabei war, sich katzenartig mit ihrer Beute wieder durch die Menge zurückzuquetschen. Das war das Pech des drängelnden Herren, der sich mal lieber an eine alte alemannische Weisheit gehalten hätte: numme Dubel drängle! Sein engagierter Antritt Richtung Fütterung hatte zur Folge, dass sich die Plastikschale der Dame auf seine Hose und Schuhe ergoss, was eine heftige Schreierei zur Folge hatte, in die die Kellner eingereifen musste. Das hätten sie lieber nicht getan; denn in dem Moment ihrer Ablenkung drängten die Gäste von hinten aus dem Gebüsch an die Näpfe. Die Kellner steckten im Zweifrontenkrieg. Also Rückzug, zwei Fronten sind nichts für Deutsche.

Während die bessere Gesellschaft von Rom um das äußerst sparsam aufgefahrene Essen (die Schweizer haben auch Erfahrung) stritt und sich heftig schwitzend in der anstehenden Menge drückte, wichen wir zum Getränkestand aus, mit Erfolg. Der Weisswein hatte Aussentemperatur. Daher gab es Rotwein, der geniessbar war und die unglaubliche Aussicht auf der Terrasse versüsste.

Ach ja, da war mal ein Song, ein gesellschaftskritischer, der mir beim Heimradeln auf der Via Sicilia (ja, ich bin jetzt stolzer Fahrradbesitzer!) in den Sinn kam und dann nicht mehr gehen wollte....

1 Comments:

Blogger Isi said...

Danke für den Ohrwurm ;) und liebe Grüße an die DAI'ler.
Stammi bene!

1:30 PM  

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