Freitag, Mai 11, 2007

"They know the world...."

Damaskus - Freiburg - Kalamazoo.... Das Pendeln zwischen den Welten hat nun einen gewissen Hoehepunkt erreicht: Letzten Montag ging es nach wenigen Tagen in Freiburg mit dem Flieger von Frankfurt ueber Paris nach Boston. Dort wartete schon der Mietwagen, den ich mit meinen beiden neuen Reisegefaehrten Roland Steinacher und Albrecht Diem aus Wien sogleich bestieg. Ohne unsere wertvolle Zeit in Boston zu verschwenden machten wir uns gleich auf den Weg gen Westen und auf die Fahrt quer durch Massachussets. Nach einer Ubernachtung in Sturbridge, einem netten Dorf im 18.-Jahrhundert-Stil, fuhren wir am Dienstag ueber Syracuse, New York, wo Albrecht ab August einen Job als Assistant Professor antritt, zu den Niagara Falls mit ihren beeindruckenden Wassermassen, aber ebenso beeindruckenden Preisen fuer Uebernachtung und Dinner. Und dann...... Kanada! Tatasaechlich. Ich haette es nicht fuer moeglich gehalten, aber anders als am Flughafen ist eine Ein- und Ausreise ueber Land in die und aus den USA vollkommen unproblematisch, sogar mit einem Mietwagen. Also fuhren wir in das huebsche kanadische Staedtchen Niagara-on-the-Lake, ueber den Queen-Elizabeth-Highway Richtung Toronto und dann ueber die Ontario-Halbinsel auf dem King-George-Highway ueber London (sic!) nach Windsor (sic!), wo wir durch den Tunnel nach Detroit Kanada wieder verliessen. Der Kanada-Trip dauerte zwar nur einen Tag und eine Nacht, hat uns aber genug vom Land gezeigt, um zu wissen, dass ein Wiederkommen durchaus Sinn macht. Vor allem auch, weil ich Martin Beckmanns neue Nummer nicht im Handy gespeichert habe und mich daher nicht melden konnte. So, I'll come back!

Der Tunnel von Windsor nach Detroit war nicht nur der gefaehrlichste Tunnel, den ich jemals gesehen habe, sondern fuehrte uns auch in eine andere Welt: Detroit - ein Sinnbild fuer Tristesse! Zwischen den praechtigen Hochhaeusern von GM, DaimlerChrysler etc. herrscht reinster Verfall, der an eine schlechte Science-Fiction-Vision einer modernen Stadt im Jahr 2100 erinnert. Wirklich unglaublich, dass es so etwas in einem der reichsten Laender dieser Welt gibt. Detroit bot uns bei unserem kurzem Aufenthalt aber auch Lichtblicke. So zum Beispiel ein Diner, in dem wir als einzige Gaeste die grosse Attraktion fuer die drei aelteren Damen im Service waren. Diese schlossen, wie sie spaeter lachend erzaehlten, bei unserem Hereinkommen sogleich Wetten ab, woher wir denn kaemen. Die eine setzte auf Quebec, die zweite auf British Columbia und die dritte auf Australien. Welch' ein Lob. Als wir ihnen erzaehlten, woher wir kommen, war das Staunen gross. Wow, Germany and Austria! Als wir dann berichteten, wohin wir fahren (Kalamazoo), war das Erstaunen noch groesser. Was wir denn da wollten? Es gaebe doch ueberhaupt keinen Grund, nach Kalamazoo zu fahren. Also erzaehlten wir von dem International Congress auf Medieval Studies, was dem Staunen die Krone aufsetzte. Als wir nach dem Verzehr riesiger Burger mit Pommes (Bild kommt!) und von Unmengen unaufgefordert nachgeschenkter Cola aus dem Laden rollten, meinte die eine Kellnerin beeindruckt zur anderen: "They know the world...". Ich glaube, wir waren in diesem Diner wesentlich exotischer als bei der Besichtigung irgendwelcher Ruinen im syrischen Hinterland. Dort wird allerdings nicht so sympathisch bis zum Umfallen Cola nachgeschenkt...

Nach Detroit ging es in einer ziemlich langweiligen Fahrt quer durch Michigan nach Kalamazoo, wo der Kongress nun seit zwei Tagen laeuft und mir wieder einmal die Regel bestaetigt hat, dass ein Kongress auch dann spannend sein kann, wenn das Programm und die Vortraege langweilig sind. Bei "Early Medieval Dinner" gestern abend haben wir uns koestlich amuesiert, dann beim Empfang der Universitaet Toronta gutes kanadisches Bier getrunken und das ganze anschliessend im Pub "Waldo's" ausklingen lassen. Wirlich erstaunlich, wie viele Leute wir durch die paar Male in Leeds und Kalamazoo schon kennen. Ein staendiges grosses Hallo und dazwischen einige wirklich spannende Gespraeche. So kann man gut darueber hinwegsehen, dass man waehrend der Sessions mit ziemlich viel Muell beladen wird. Gerade zum Beispiel durfte ich lernen, dass sich die Apsiden fruehchristlicher Kirchen aus dem Halbrund des roemischen Stadions herleiten lassen. Wow, that's really great!

So, jetzt muss ich zur naechsten Sektion. Drueckt mir die Daumen, dass es etwas besser wird. Wenn nicht, gehe ich gleich zur Wine Hour in Honor of the Eleventh Otto Gruendler Prize Winner oder zur International Boethius Society Reception with open bar. Let's see... Bilder zu diesem Bericht werden immediately nachgereicht.

Have a great day!