Nun bin ich seit zwei Wochen unterwegs. Gemeckere über den indirekten Weg dieser Aktualisierung erspare ich mir jetzt mal, nicht ganz freiwillig allerdings, sondern vor allem deswegen, weil auch E-mails zuweilen kritische Mitleser haben. Aber nun genug davon, es mag alles auch sein Gutes haben. Gegen alle Unkenrufe ist hier kein Zunehmen des religiösen Fanatismus zu beobachten. Im Gegensatz zu 2003 sieht man nicht weniger, eher sogar mehr Mädchen in westlicher Kleidung auf den Straßen, verhüllende Schleier haben wir vor allem in den großen Touristenzentren beobachtet. Man trifft auch hier junge Männer mit langen Bärten, weißen Gewändern und beigen Westen, die ihre religiöse, oder eher doch politische (?) Gesinnung auf diese Weise zum Ausdruck bringen. Sie sind aber selten und nach Auskunft unserer Freunde harmlos. Kairouan, die viertheiligste Stadt des Islam, hat sich uns gegenüber erstaunlicherweise als diejenige Stadt mit den mit Abstand offensivsten Frauen und den am wenigsten heimlich biertrinkenden Jungs erwiesen. Nach Lektüre des Führers hatten wir eher ein Zentrum altertümlicher Eiferer erwartet.
Tunesien erweist sich nicht erst seit dem Ende des Ramadan als kulinarisches Highlight. Wir speisen jeden Tag bestens, und immer äußerst günstig. Als Vorspeisen Shorba und Leblebi (Nudel- und Kichererbsensuppe), Brique à l’oeuf (Teigtasche mit Tunfisch-Spinat-Eifüllung) oder Slata Meshouia (scharfes Mix aus gebackener Paprika und Olivenöl), als Hauptgericht Kouskous mit Lamm, gegrillter Fisch, Grillhendl mit Rosmarin (hmmm....) oder Kamounia (Leberle in Kurkuma-Kreuzkümmel-Tomatensauce), zum Nachtisch Früchte oder Zuckergebäck, und all das für jeweils 3-6 Dinar, also höchstens 4 Euro. Wenn’s mal sparsamer sein soll, gibt's für unter einem Dinar ein Picknick mit Baguette, Oliven, Thunfisch und Harrissa. Apropos Leberle: Alkohol gab’s hier erst einmal, und das, wie könnte es anders sein, im Hotel Thugga in Teboursouk. Dort haben wir uns (alle, die es kennen, werden jetzt nostalgisch) zwei Celtia genehmigt und danach eine Flasche roten Château Mornag. Ansonsten leben wir von Wasser, und, damit es nicht zu gesund wird, hin und wieder einer Cola.
im Überfluß, obwohl wir einige der ursprünglich geplanten Orte nicht besuchen dürfen. Bei denjenigen Plätzen, für die wir eine Genehmigung haben, läuft es allerdings bestens. Bisher waren das unter anderem: Musée du Bardo, Karthago, Kelibia, Nabeul, Kerkouan, Pheradi Maius, Upenna, Zaghouan, Thuburbo Maius, Belalis Maior, Beja, Uchi Maius, Mustis, Ain Tunga, Thuggiba, Thibar, Borj Hallal, Sidi Assem, Chemtou, Ksar Lemsa, Maktar, Kairouan, Sousse, Lemta und einiges mehr.
Ein Highlight war selbstverständlich der Besuch in Thugga. Ich soll alle Freiburger ganz herzlich grüßen von Salah, Moldi, Mohamed und Abu Jema, von Hassan und Imed, den beiden Responsables, von den beiden Caféjungen, von Hédi, dem „angenehm-warm“-Guide, Mohamed sendet ein besonderes „Bonjour“ an Habib den Cheb, an Ethmen und an Aziza, Amm Salah. Der Zisternenwächter läßt vor allem die Damen der Keramik grüßen, aber auch alle anderen. In Dougga ist alles beim Alten, man wartet auf unsere Rückkehr. Der Schnitt ist gut in Schuß, nur ein bißchen verdistelt. Dougga - das war ein frohes und auch ein trauriges Gefühl. Irgendwie gut, daß jetzt lauter Orte kommen, die ich noch nicht kenne.
Vier Nächte lang sind wir bei Moheddine Chaouli in Bou Salem untergekommen, der sich mit seiner Frau Wahiba ganz reizend um uns gekümmert hat. Moha ist jetzt der verantwortliche Archäologe im INP für die Gouvernorate Jendouba und Beja, also unter anderem auch verantwortlich für Bulla Regia und Chemtou. Er hat uns an viele interessante Orte gebracht, uns nach Dougga und (glücklicherweise) auch nach Uchi Maius begleitet, in vielen Gesprächen wichtige Dinge über Tunesien beigebracht und uns jeden Abend mit einem hervorragenden Abendessen beglückt. Dafür ein ganz herzliches „Shukran Djazilan“.
Diese Zeilen tippe ich im Hotel „Medina“ in Mahdia, einem sympathischen, sauberen und sehr günstigen Hotel in der Altstadt, das eher an ein Hostel als ein Hotel erinnert und mit 12 Dinar pro Nacht recht günstig ist. Tunesien hat gerade das Finale der Handball-WM gegen Kroatien verloren, was auf die Stimmung in dieser Stadt ungefähr die gleiche Wirkung gehabt hat wie bei uns das verlorene Halbfinale bei der Fußball-WM. Anschließend war sofort alles tot, und auch im einizigen offenen Restaurant gab es nur noch ein einziges Gericht zur Auswahl (gegrillte Fischchen). Kostete ein Tee zuvor in dem einen Café noch 200 Millimes, kostete er gerade in einem zweiten 1,200 Dinar. Tunesien hätte lieber gewinnen sollen ;-)



1 Comments:
Polu kokkino se blepo stin fotografia! :-)
Na eisai kai na pernas kala!
Ta leme!
Liebe Grüße, L.
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